Deutsche Architekten in Georgien

In Tbilissi wird im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts viel gebaut. Die Metropole ist in Bewegung. Dies ist nicht das erste Mal, dass eine Welle von Neubauten über die Stadt rollt. Rund 15-Mal ist Tbilissi seit seiner Gründung im 5. Jahrhundert zerstört worden. Im 19. Jahrhundert bereits wuchs die Stadt. Aus dieser Ära gibt es zahlreiche Spuren deutscher Architekten und Baumeister in Georgien. 

Dies hat zwei Gründe: Zum einen kamen 1844 schwäbische Auswanderer nach Georgien und gründeten mehrere Siedlungen. Einige von ihnen ließen sich in Tbilissi nieder. Zum anderen erlebte Tbilissi ab den 1850er Jahren einen Aufschwung, der zum Wachstum der Stadt, einer wirtschaftlichen Blüte und einer Ausweitung der Bautätigkeit führte. 

Seinerzeit war Georgien kein unabhängiger Staat, sondern gehörte zum russischen Zarenreich. Es gab damals weitgehende Verflechtungen zwischen Deutschland und Russland, die sich bis nach Tbilissi auswirkten. Die Stadt wurde seinerzeit zur beherrschenden Metropole der Transkaukasischen Region ausgebaut. 

Viele der Spuren deutscher Architekten finden sich an prominenter Stelle in Tbilissi. Es sind öffentliche Bauten am Rustaweli-Prospekt, in der David-Aghmaschenebeli-Straße, am Platz der Freiheit. 

Deutsche Siedlungen in Tbilissi entstanden im Stadtviertel Didube und an der David-Aghmaschenebeli-Straße. Dort gab es in den Hinterhöfen Gärten, in denen man Landwirtschaft zur Selbstversorgung betrieb. Mit fortschreitender Verdichtung in Tbilissi wurden diese Hinterhöfe bebaut, es entstanden die heute so genannten „italienischen Hinterhöfe“.

Paul Stern

Wenn man über deutsche Architekten in Georgien redet, fällt fast immer als erstes der Name Paul Stern. In den 1870er Jahren fing er seine berufliche Laufbahn in Tbilissi als Assistent von Victor Schröter an. 

Aus seiner Feder stammen die Pläne für das Rathaus am heutigen Freiheitsplatz. Das Gebäude ersetzte einen älteren Verwaltungsbau und wurde in den Jahren 1882 bis 1886 errichtet. Es ist im neu-maurischen Stil gestaltet. 

Markenzeichen von Stern ist ein Davidstern, der z. B. sein Wohnhaus in Tbilissi kennzeichnet. Über das Leben von Stern, der in einigen Quellen auch den Vornamen Peter trägt, ist wenig bekannt, bereits sein Geburts- und Sterbedatum ist nicht mehr auffindbar.

Albert Salzmann (1833-1897)

Auch der deutsche Architekt Albert Salzmann hat seine Spuren in Tbilissi in bedeutenden Bauwerken hinterlassen. Salzmann war Sohn eines wohlhabenden deutschen Kolonisten. Sein Studium absolvierte er in St. Petersburg. 

Ab 1861 begann Salzmann mit seinem Wirken in Tbilissi. Er errichtete mehrere Wohnhäuser und öffentliche Gebäude. So entwarf die Nationalgalerie, die im italienischen Stil errichtet wurde. Ein weiteres Bauwerk ist die Newskij-Kathedrale, die im byzantinischen Stil entstand. Sie musste später dem Regierungssitz der Sowjets und dem bisherigen Parlamentsgebäude weichen. 

Salzmann wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet. Er war Mitglied aller wichtiger Kunstkomitees in Tbilissi, Mitglied der Akademie und mehrere Jahre Abgeordneter im Stadtrat von Tbilissi. Er starb in Tbilissi bei der Arbeit durch einen Sturz von einem Baugerüst.

Viktor Schröter (1839 – 1901)

Sein Studium der Architektur hatte Viktor Schröter in St. Petersburg und Berlin absolviert. Er hatte sich als Architekt für Theater einen Namen gemacht, die Spielstätten in Kiew und Irkutsk gehen auf seine Entwürfe zurück. Bevor er nach Tbilissi kam, gehörte er bereits zu den wichtigsten Architekten in St. Petersburg. In Tbilissi entwarf Schröter die Pläne für das Opernhaus am Rustaweli-Prospekt aus dem Jahr 1901. 

Die Oper wurde in den vergangenen Jahren mehrfach umgebaut. Von 2010 bis 2016 fand die letzte umfassende Sanierung statt, so dass nun die Bühnentechnik und die Innenausstattung auf dem aktuellsten Stand der Technik sind.

Leopold Bielfeld (1838-1921)

Wie viele andere in Tbilissi tätige Architekten hatte auch Leopold Bielfeld sein Studium in St. Petersburg absolviert. Seine berufliche Tätigkeit in Tbilissi war bald von Erfolg gekrönt, so dass er zu einem der bekanntesten Architekten seiner Zeit wurde. 

Aufträge bekam Bielfeld vielfach von deutschen Kolonisten. So baute er für die Familie Wetzel das Hotel Wetzel in der David-Aghmaschenebeli-Straße, das im 21. Jahrhundert nicht fachmännisch renoviert wurde. 

Bielfeld ist auch für den Bau zweier Kirchen in Tbilissi verantwortlich. Der eine ist die evangelische oder Deutsche Kirche. Die bekanntere ist die Kaschweti-Kirche am Rustaweli-Prospekt. Bielfeld sollte sich dabei an dem Vorbild der Samtawissi-Kirche in Mzcheta orientieren. Die Kaschweti-Kirche wurde von 1904 bis 1910 gebaut. Sie bietet zwei Kirchen in einem: Auf dem Niveau des Rustaweli-Prospekts liegt die georgisch-orthodoxe Kirche, im Untergeschoss ist die russisch-orthodoxe Kirche untergebracht. 

Ein weiterer öffentlicher Bau, der auf Bielfeld zurückgeht, ist der Zarenpalast in Likani.

Otto Jacob Simonson (1826-1914)

Auch die Spuren des deutschen Architekten Otto Jacob Simonson findet man heute noch an prominenter Stelle in der Innenstadt von Tbilissi. Simonson stammte aus Dresden und war Schüler von Gottfried Semper. Im Jahr 1858 kam er aus aus Dresden nach Tbilissi. 

Simonson errichtete den Palast des Statthalters in Tbilissi. Das Gebäude wurde später baulich verändert und zum heutigen Jugendpalast am Rustaweli-Prospekt umgewidmet. Ein weiteres Werk von Simonson ist die bauliche Gestaltung des Alexanderpark. Auch dieses Werk aus seiner Hand wechselte später die Bedeutung: heute ist dies der Park des 9. April.

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