Gustav Radde - Geograph in Georgien

Gustav Radde – dieser Name fällt oft, wenn man über deutsches Erbe in Georgien spricht. Er war nicht nur in der Geographie bewandert, sondern auch in anderen Forschungsdisziplinen. So beschäftigte er sich mit Ornithologie, Botanik und Ethnologie. Ein Studium hatte er nicht absolviert, er war Autodidakt. Hier ist seine Geschichte. Seine Spuren finden sich heute noch in Georgien. 

Aufgewachsen in Danzig

Gustav Radde wurde am 27. November 1831 in Danzig geboren. Eine wissenschaftliche Karriere war ihm nicht in die Wiege gelegt. Sein Vater war ein als verarmt geltender Lehrer. Der Sohn ging auf ein Gymnasium, begann danach aber kein Studium, sondern gegen seine eigene Absicht eine Lehre als Apotheker. 

Erste Forschungsreise auf die Krim

Dann gelang Radde der Sprung in die wissenschaftliche Praxis: Die Danziger Naturforschende Gesellschaft ermöglichte es ihm, im Jahr 1852 eine für sechs Monate geplante Reise auf die Krim zu unternehmen. Dort begann Radde mit der wissenschaftlichen Arbeit, führte Beobachtungen der Natur durch und legte Sammlungen botanischer und zoologischer Art an. Der ursprünglich nur für ein halbes Jahr geplante Aufenthalt dauerte drei Jahre und legte den Grundstein für die weitere Arbeit Raddes. Denn er konnte nicht nur seine Kenntnisse in der Botanik erweitern, sondern knüpfte auch Kontakte zu mehreren führenden Persönlichkeiten aus der damaligen wissenschaftlichen Welt der Botanik. 

Einladung nach Ostsibirien

Wie es in der Wissenschaft Usus ist, veröffentlichte Radde seine Forschungsergebnisse. Diese Publikationen und persönliche Kontakte sorgte dafür, dass ihm die „Kaiserlich Russische Geographische Gesellschaft zu St. Petersburg“ eine Einladung zu einer Forschungsreise nach Ostsibirien überbrachte. Für Radde bedeutete dies einen Karrieresprung, den er in Deutschland nicht für möglich gehalten hätte. Die Forschungsreise dauerte von 1855 bis 1959. In dieser Zeit sammelte Radde vor allem Daten der physischen Geographie. Im Anschluss an diese Reise war er von 1860 bis 1863 als Kustos am Zoologischen Museum der Petersburger Akademie tätig. Hier hatte er die Möglichkeit, die auf der Forschungsreise gesammelten Daten zu verarbeiten. 

Radde will den Kaukasus erforschen

Nach dieser Zeit des ersten wissenschaftlichen Arbeitens reizte es Radde, eine bis zu diesem Zeitpunkt noch unerforschte Region wissenschaftlich zu bearbeiten: Er wollte den Kaukasus erforschen. Zu diesem Ziel begann Radde 1863 eine neue Stelle am physikalischen Observatorium in Tbilissi. Hier erarbeitete er ein Forschungsprogramm, das ihn die kommenden Jahre beschäftigen sollte. Damit hatte Radde sein Lebensziel gefunden. Er sollte bis zu seinem Tod in Tbilissi wirken. 

Lawinen und Hungersnot auf der Georgischen Heerstraße

Ungefährlich waren die Reisen zu dieser Zeit nicht. Radde berichtete von einer Reise im Jahr 1880 über die georgische Heerstraße, dass er dort in der Nähe des Dshwari-Passes (Kreuzpass) fast von einer Lawine verschüttet worden sei. Auf Pferde habe er nicht zurückgreifen können, da diese an den Relaisstationen wegen einer Futtermittelknappheit verhungert seien.

Kontaktpflege

In dieser Zeit reise Radde oft nach Danzig und St. Petersburg, um dort Ergebnisse seiner Forschungen vorzustellen. Mit der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig, die ihm den Einstieg in die Karriere ermöglicht hatte, pflegte er regen Kontakt. Er schickte auch Exponate aus seiner wissenschaftlichen Arbeit nach Danzig. 

Enge Kontakte pflegte Radde auch zur Zarenfamilie selber. Quellen berichten darüber, dass Radde zusammen mit der Familie per Zug ins Palais nach Likani reiste, wo man das Neujahr erwartete. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war er mehrfach zu Besuch bei der adligen Gesellschaft in Likani. 

Ein Grab in Borjomi

Radde hatte die letzten vier Jahre seines Lebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und konnte sein Haus kaum verlassen, bemühte sich aber dennoch um die Führung des Kaukasischen Museums. 

Am 2. März 1903 starb Gustav Radde in Tbilissi. Er wurde in Borjomi beerdigt. Sein wissenschaftliches Erbe lebt auch heute noch fort. Das von Radde gegründete Kaukasische Museum ist heute Teil des Simon-Dschanaschia-Museums in Tbilissi, das man in den Räumen des Georgischen Nationalmuseums am Rustaweli-Prospekt in Tbilissi besuchen kann.

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