Verhaftungen und Deportationen

Die Lage der deutschen Siedler in Georgien war über Jahrzehnte hinweg ein Spiegelbild außenpolitischer Ereignisse. Hatte Zarin Katharina in den 1820er Jahren noch für Siedler aus dem Ausland geworben, so begann sich die Lage für die nach Russland und Georgien gekommenen Deutschen in den folgenden Jahrzehnten zu verschlechtern. 

Krimkrieg

Ein Ereignis war dabei der Krimkrieg 1853 bis 1856. Da Deutschland seinerzeit auf Seiten der Türkei stand, begannen die Russen deutsche Einwanderer als innere Feinde zu betrachten. Dies führte dazu, dass den deutschen Einwanderern Rechte und Privilegien aberkannt wurden. Dies betraf den Gebrauch der deutschen Sprache im Unterricht und als Amtssprache, aber auch die Aufhebung der Eigenständigkeit der Verwaltung der deutschen Kolonien. Ab 1874 galt die allgemeine Wehrpflicht auch für die deutschen Einwanderer. Das Recht auf Eigentum und den Kauf von Immobilien wurde eingeschränkt. Als einziges verbliebenes Sonderrecht blieb die Freiheit der Religion bestehen. 

I. Weltkrieg

Der Ausbruch des I. Weltkriegs verschärfte die Lage für die deutschen Siedler im Zarenreich weiter. Zar Nikolaus der II. verbot den Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit. Ein Jahr später wurden deutsche Zeitungen und die Herausgabe von Büchern in deutscher Sprache verboten. Weitere Gesetze zur Enteignung und Vertreibung Deutscher im Zarenreich hatte der Zar in Planung, konnte sie aber wegen der Revolution in Russland nicht mehr umsetzen. Kurz danach wurde die erste unabhängige demokratische Republik in Georgien gegründet. 1921 beendeten die Sowjets die politische Freiheit in Georgien mit ihrem Einmarsch.

Hungersnöte

Die Wirtschaftspolitik der Sowjets führte in den 1921/22 und 1932/22 zu Hungersnöten in der Sowjetunion, von der auch die Menschen in Georgien betroffen waren. Schätzungen gehen bei der zweiten Hungersnot von bis zu 11 Millionen Toten als Folge von Stalins Zwangskollektivierungen aus, darunter auch 350.000 Wolgadeutsche. Zeitzeugen berichten, dass auch die deutschen Siedlungen in Georgien schwer von der Hungersnot getroffen wurden.

Zwangsumsiedlungen

Zu dieser Zeit gab es in den deutschen Kolonien noch etwa 350 Reichsdeutsche. 30% von ihnen waren als Folgen der Kollektivierung bereits ausgereist. Ab dem Jahr 1934 begannen die Sowjets mit Verhaftungen, Zwangsumsiedlungen begannen ab 1935. 

Nicht nur die deutsche Bevölkerung in Georgien, sondern fast die gesamte deutschstämmige Bevölkerung der Sowjetunion wurde in „Sondersiedlungen“ nach Kasachstan verschleppt. Die Opfer von Stalins Politik fanden sich nun in unwirtlichen Gegenden mit rauem Klima und schlechter Erschließung wieder. Sie sollten als billige Arbeitskräfte dienen, um Stalins Programm des wirtschaftlichen Aufbaus der Sowjetunion voran zu bringen. Dazu ließ Stalin in weiteren Säuberungen nicht nur angebliche Feinde umbringen, sondern auch mehrere Millionen Menschen in Arbeitslager verschleppen.

II. Weltkrieg

Als die deutsche Wehrmacht im Sommer 1941 in die Sowjetunion einfiel, verschärfte sich die Lage für die Deutschen im Staatsgebiet erneut. Die deutschen Siedler wurden als „Abweichler“ und potenzielle Gefährder eingestuft. Pläne zur Deportation der Deutschen hatte Stalin schon vorher ausarbeiten lassen, seine Sondertruppen stürmte nun durch die Sowjetunion, trieben Familien aus ihren Häusern in Viehwaggons und verfrachteten die Opfer nach Zentralasien und nach Sibirien. Dort mussten sie in Fabriken und Bergwerken schuften. Knapp 900.000 Deutsche wurden deportiert, rund ein Viertel von ihnen starb durch Hunger, Entkräftung oder durch die Gewalt der Sowjets. 

Betroffen waren von der Deportation vor allem Wolgadeutsche, aber auch in Georgien wurden reihenweise deutschstämmige Einwohner deportiert. Links zu Berichten von Zeitzeugen finden sich unten auf dieser Seite.

Nach dem Krieg

Nach dem Ende des II. Weltkriegs, vor allem aber nach dem Tod Stalins und der Annäherung zwischen der Sowjetunion und Deutschlands kam es zu einer Entspannung der Lage für die deutschstämmige Bevölkerung in der Sowjetunion. Die „Sondersiedlungen“ wurden 1955 abgeschafft. Zwar durften die Deutschen in der Sowjetunion nicht in ihre früheren Wohnorte zurück, es gab aber deutliche Erleichterungen. Von 1957 ab gab es wieder Schulen mit Deutsch als Muttersprache. Deutsche Zeitungen durften wieder erscheinen, es gab wieder deutschen Rundfunk. Bis zum Jahr 1979 kehrten etwa 2.000 Deutsche, die aus Georgien deportiert worden waren, dorthin zurück.

Unabhängiges Georgien

Nach dem Ende der Sowjetunion und der Gründung eines neuen unabhängigen Staates in Georgien änderte sich die Lage für die deutschstämmigen Siedler in im Land erneut. Ab 1991 kamen 3.000 Menschen mit deutschen Wurzeln zurück nach Georgien. Viele von ihnen nutzten den Wegfall des Eisernen Vorhangs und reisten nach Deutschland aus.

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