Georgien als Korridor für den Verkehr

Bedingt durch seine Lage zwischen Europa und Asien war Georgien über Jahrhunderte ein Korridor, durch den nicht nur unterschiedliche Machthaber wie Perser, Türken und Russen ihre Schneisen zogen. Schon in antiker Zeit galt das Land zwischen den beiden Kämmen des Großen und des Kleinen Kaukasus als Verkehrskorridor auf der Strecke zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer. Die Strecke durch Georgien war ein Ast der Seidenstraße, die nicht nur eine Trasse umfasst, sondern ein Bündel von Verbindungen darstellt. 

Die Verkehrsgunst des Landes hat in der Neuzeit bereits mehrfach dazu geführt, dass Georgien in den Fokus internationaler Entwicklungen geraten ist. Lange Zeit vor dem Internet verlief die erste Telegraphenlinie zwischen Indien und Westeuropa durch Georgien, ab 1860 betrieben durch die Firma Siemens, die seinerzeit führende Mitglieder der Familie nach Tbilissi entsandte. 

Jahrzehnte später geriet Georgien in den Mittelpunkt eines Bauprojekts der Energiebranche. Unter dem Kaspischen Meer gibt es Ölvorkommen, die ähnlich hoch eingeschätzt werden wie die in Saudi-Arabien. Um das energiehungrige Westeuropa mit diesem Rohstoff versorgen zu können, plante man eine Ölpipeline. Diese sollte die unsicheren Länder Russland und Iran umgehen. Man wählte also eine Route durch Georgien, die von der Geographie her schwierig zu bauen war, was aber gegenüber der politischen Konstellation der geringere Nachteil in den Augen der Planer war. Noch in der Regierungszeit Schewardnadse beschlossen, begann man 2002 mit dem Pipeline Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC). 2006 wurde die Pipeline fertiggestellt. Die BTC sichert Georgien nicht nur Einnahmen durch den Transit des Erdöl aus den Feldern im Kaspischen Meer, sie brachte das Land auch näher an die EU und in den Focus internationaler Berichterstattung. Über die BTC werden derzeit täglich rund 1 Million Barrel Öl gepumpt. 

Güterverkehr

Auch für den Güterverkehr spielt Georgien eine wichtige Rolle. Durch Georgien verläuft die Bahnlinie Baku-Tbilissi-Poti. Die Bahnlinie besteht seit 1871. Von 1900 ab war die Bahnstrecke an das Bahnnetz des russischen Zarenreichs angebunden, sie spielte eine wichtige Rolle in der Wirtschaft der Sowjetunion in der Zeit der Industrialisierung. Heute werden auf dieser Bahnlinie pro Jahr rund 10 Millionen Tonnen Öl und Ölprodukte durch Georgien transportiert.

Eisenbahn in Georgien

Mit der Globalisierung der internationalen Warenströme ist diese Bahnlinie nun international interessant geworden. Es gibt mehrere Bauprojekte, die sich um den Ausbau des Güterverkehrs durch Georgien drehen. So plante die Regierung Saakaschwili eine Bahnumgehung für Tbilissi, die nicht nur das Risiko durch die Öltransporte durch die Innenstadt der georgischen Hauptstadt minimieren sollte, sondern auch 73 Hektar Bauland in bester Lage freizumachen versprach. Das Projekt wurde nach dem Machtwechsel 2012 gestoppt, 2016 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. 

Die Bahnumgehung Tbilissi ist Teil mehrerer größerer anderer Projekte. Sie wird ein Teil der Bahnstrecke Baku-Tbilissi-Kars sein. Diese Bahnstrecke wurde in den letzten Jahren ausgebaut, um einen schnelleren Güterverkehr zu gestatten. Für dieses Projekt hätte man auch eine bestehende Route durch Armenien nehmen können, dies kam jedoch wegen der historisch schlechten Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei seit dem Völkermord 1915 nicht in Frage. Dieses Vorhaben wiederum ist Teil des Projekts Neue Seidenstraße. Ziel dieses Projekts ist die Schaffung einer regelmäßig bedienten Verbindung für den bahngebundenen Güterverkehr zwischen China und Westeuropa. Neben der geringeren Zeit gegenüber dem Seeweg sollen auch die Kosten für den Transport eines Standardcontainers um mehr als 80% reduziert werden.

Georgische Häfen

An der Küste des Schwarzen Meeres verfügt Georgien bislang über zwei Häfen für den internationalen Warenverkehr: Batumi und Poti. Ein dritter Tiefseehafen in Anaklia ist im Bau. Ölterminals befinden sich zudem in Supsa und Kulewi.

Poti

Den Hafenstandort Poti nutzt man in Georgien bereits seit rund 3.000 Jahren. In der Stadt mündet der Rioni ins Schwarze Meer, was die Möglichkeit des Umschlags von Waren zum Transport zwischen See und Binnenland schafft. Schon der Zeit der Griechen im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung verschiffte man Waren von Poti, damals Phasis, nach Kutaissi, damals Kutaia genannt. 

Heute dient Poti dem Handel von Waren nicht nur aus Georgien, sondern ist ebenfalls ein wichtiger Hafen für die Wirtschaft in Armenien, denn das Nachbarland Georgiens verfügt nicht über einen Zugang zum Schwarzen Meer. Dafür nutzt der Handel die Bahnstrecke zwischen Tbilissi und Poti für den Güterverkehr. 

Über den Hafen in Poti werden Mangan, Mais, Bauholz und Wein exportiert. Ein Ölterminal hat mehrere Anlagestellen für Tanker mit einer Kapazität bis zu 20.000 Tonnen. Eine Fährverbindung erlaubt Güterverkehr mit Bahn und Lastwagen über das Schwarze Meer nach Burgas in Bulgarien. Eine weitere Fährlinie verbindet Poti mit Odessa in der Ukraine. 

Wie auch andere Hafenstandorte bedeutete das Ende der Sowjetunion einen schmerzlichen Einschnitt für Poti. Seit Beginn des neuen Jahrtausends geht es mit den Wirtschaftszahlen allerdings wieder bergauf. Wurden im Jahr 2002 noch 4 Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen, so waren es im Jahr 2008 schon 7,7 Millionen Tonnen. Für 2014 waren es 8,6 Millionen Tonnen. Im April 2008 wurde ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Betreiber des Geländes. Im August 2008 sorgte der Krieg zwischen Russland und Georgien für einen weiteren Einschnitt. 

Der Hafen soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Die bisherige Beschränkung für Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 11 m soll durch den Bau zweiter neuer Anlegestellen mit einer Kapazität für Schiffe bis zu 16 m Tiefgang verbessert werden. Damit einher geht der Bau von Flächen zur Lagerung von Containern. Damit soll der Hafen für den Containertransport ausgebaut werden.

Batumi

Auch Batumi wird seit vielen Jahren als Hafen genutzt. Der Hafen ist kleiner als der von Poti, bedingt durch die Nähe zu den adscharischen Bergen bietet der Standort auch weniger Erweiterungsmöglichkeiten. Mit einem jährlichen Güterumschlag von 6,3 Millionen Tonnen im Jahr 2014 liegt Batumi hinter dem Seehafen in Batumi.

Anaklia

Um die Anbindung an Güterverkehr in Georgien weiter zu verbessern, arbeitet man seit 2016 am Bau eines neuen Tiefseehafens in Anaklia nördlich von Poti. Das Projekt gilt als sehr ambitioniert. Ein Konsortium mit Beteiligungen aus den USA und Georgien will bis zu 2,5 Milliarden US-Dollar in den Bau des neuen Hafens investieren. Bis 2030 sollen auf 400 Hektar Fläche die Hafenanlagen für eine Kapazität von bis zu 100 Millionen Tonnen entstehen. An den Hafen anschließen soll sich eine Freihandelszone von 600 Hektar. Ab 2019 soll ein erster Teilbetrieb des Hafens möglich sein, angepeiltes Ziel sind 7,7 Millionen Tonnen Umschlag von Gütern pro Jahr. 

Ein Vorteil für den Standort sehen die Betreiber im natürlichen Zugang für Schiffe mit größerem Tiefgang. Der Enguri hat mit seiner Mündung ins Schwarze Meer an dieser Stelle unter Wasser eine Schlucht in den Festlandssockel gegraben. Entsprechend sollen die Hafenanlagen für Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 20 m ausgelegt sein. Damit soll vor allem der Containerverkehr die Möglichkeit erhalten, Schiffe der größeren Klassen angelegen zu lassen. 

Der neue Hafen in Anaklia ist Teil des Projektes Neue Seidenstraße, über das China seinen Handel mit Westeuropa weiter antreiben möchte. Nach aktuellen Zahlen werden bereits 26% des Außenhandels Chinas über diese Route abgewickelt. In diesen Zusammenhang wurden und werden die Bahnverbindungen für den Güterverkehr zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer ausgebaut. 

Kritik an dem Projekt kommt in erster Linie von wirtschaftlicher Seite. Experten zweifeln die Rentabilität des Projekts an, da die bestehenden Häfen in Batumi und Poti noch nicht ausgelastet seien. Zudem fehle es bislang an der notwendigen Verkehrserschließung für den Güterverkehr auf der Strecke durch Georgien. Hier möchte die georgische Regierung mit dem Ausbau der Bahnstrecke von Tbilissi aus nach Poti und dem Neubau der Autobahn zwischen Tbilissi und Batumi für die Beseitigung dieses Problems sorgen.

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