Die Maisinsel

Georgischer Film von Giorgi Owaschwili

Ein Mann baut auf einer Insel eine Hütte. Er will Mais anbauen, um damit das Überleben seiner Familie zu sichern. Das besondere an dieser Maisinsel: Es gibt sie nur ein paar Monate lang. Sie liegt in der Mündung des Enguri ins Schwarze Meer, jedes Jahr zur Zeit der Schneeschmelze spült der Fluss Sedimente aus dem Großen Kaukasus ins Schwarze Meer und wenn das Wasser dann zurückgeht, werden aus den neu gebildeten Sandbänken für einen Sommer lang kleine Inseln. Das zweite besondere daran: Die Insel ist sozusagen Niemandsland. Durch diesen Fluss läuft die Grenze zwischen Georgien und der Provinz Abchasien, die zwar zu Georgien gehört, aber von russischen Besatzungstruppen besetzt ist. Diese Konflikt taucht im Film auf. 

Die Handlung des Film ist so schnell erzählt, wie der Film lang ist: Ein Bauer entdeckt die Insel und nimmt sie in Besitz. Er baut eine Hütte, sät Mais aus. Seine Enkelin, gerade in der Pubertät, geht ihm dabei zur Hand. Irgendwann taucht ein verletzter Soldat georgischer Soldat auf, dann abchasische Soldaten, dann russische. 

So verkleinert der Film den Konflikt um georgisches Territorium, den man in der Geschichte über mehr als 1.000 Jahre zurück verfolgen kann, auf eine kleine Insel, die etwa so groß ist, dass man in Deutschland ein kleines Einfamilienhaus darauf setzen könnte. Es ist auch die Geschichte einer jungen Frau, die langsam erwachsen wird. Und die im verletzten georgischen Soldaten vielleicht die erste Liebe entdeckt. 

Der georgische Film hatte in der Zeit der Sowjetunion mit der Zensur zu kämpfen, und wie in der DDR bildete man keine wirklichen Verhältnisse in Bildern ab, sondern arbeitete mit Allegorien, mit Gleichnissen, mit einer Verklärung wirklicher Verhältnisse. In dieser Tradition des georgischen Films kann man auch das Werk von Giorgi Owaschwili sehen. Schon in seinem ersten Film „Am anderen Ufer“ hatte er den Konflikt um die abtrünnige Republik Abchasien und die Jugend, seinerzeit die eines Jungen, zum Thema gemacht. Hier sind es ähnliche Themenstellungen, die Owaschwili mit der mitten im Fluss liegenden Insel und dem Wachsen des Lebens auf der Maisinsel aufgreift. Es geht um Konflikte im Land, es geht auch um einen Neuanfang, um Aufbau, um die Schaffung neuen Lebens und den Stolz auf erreichtes. Und um das Gefühl, durch Gewalt von außen all dies wieder aufgeben zu müssen, nur um sein nacktes Leben zu retten. 

Dabei lässt sich der Regisseur Zeit. Der Bauer braucht Zeit, um die Insel in Besitz zu nehmen, sein Haus mit Hilfe seiner Enkelin zu errichten und sein Feld zu bestellen. Der Zuschauer braucht Zeit, um ihm bei der Gründung einer neuen Existenz und dem Aufbau des neuen Lebens, beim Mais wie bei der jungen Frau, zuzusehen. Gesprochen wird in dem Film nicht viel, es ist auch nicht nötig, denn die Mystik des Films entfaltet sich mit den Bildern. 

Das Ende des Films symbolisiert die Vergänglichkeit des Lebens, es könnte aber auch genauso für einen Neuanfang stehen. 

Für diesen Film sollte man sich Zeit nehmen. Es lohnt sich. 

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