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Als der Flieger über dem Flughafen von Tiflis einschwebt, hängen dräuende Regenwolken über dem Land. Meine Erwartungen sind gespannt, in den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit Georgien beschäftigt.

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Der Sonntag macht seinem Namen alle Ehre. Und erinnert mich daran, daß Georgien einige Breitengrade südlicher liegt als Deutschland und manche Pflanzen früher blühen als gewohnt - meine Augen jucken und die Nase läuft.

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Der Mtkwari ist für die nächsten Kilometer unser Begleiter, als wir nach Chawschuri zurückfahren, diesmal biegen wir am Kreisverkehr nach Norden ab. Die Strecke führt bergan, wir queren den Pass durch den Rikoti-Tunnel.

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Die ersten Kilometer in Georgien

Tbilissi mit georgischem Chatschapuri und Tamada

Als der Flieger über dem Flughafen von Tiflis einschwebt, hängen dräuende Regenwolken über dem Land. Meine Erwartungen sind gespannt, in den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit Georgien beschäftigt, virtuell das Land und die Mentalität seiner Menschen, seiner Geschichte und die aktuellen Befindlichkeiten erkundet. Die Reifen künden den ersten Bodenkontakt an, wir rollen in unserer Fokker an einigen Tupolews der Air Georgia vorbei, offensichtlich ausgemustert, die Gesellschaft fliegt inzwischen Boeing. Ein etwas in die Jahre gekommener Bus bringt uns zum Terminal. Der Sicherheitsbereich des Flughafens ist übersichtlich, ich fülle meine Einreiseerklärung aus, mein Empfangskommando hat die Koffer bereits vom Band geholt.

Im Auto gibt es das erste Chatschapuri, ich habe auf dem Beifahrersitz Zeit, die Eindrücke auf mich wirken zu lassen. Dies nicht mein erster Aufenthalt in einem ehemals sozialistischen Land, sofort fallen mir die archäologischen Relikte des sozialistischen Realismus ins Auge. In den 10 Jahren seit der Unabhängigkeit Georgiens hat der Staat kein Geld für Investitionen und Pflege der Infrastruktur aufbringen können, die Straßen sind teilweise arg löchrig. Entsprechend unterscheidet sich die Fahrweise hier von der in Deutschland - nicht die aufgezeichneten Fahrspuren sind entscheidend, man umrundet die Schlaglöcher, um ohne Schläge in den Rücken voranzukommen.

Eigentlich sind die Straßen hier in der Millionenstadt ein Paradies für streßgeplagte deutsche Autofahrer. Wir fahren Freitags Nachmittags durch die Innenstadt, eine kleine Stockung hält uns auf, das ist alles. Nur wenige Ampeln hindern uns am vorankommen. Die Fahrweise erinnert mich an französische Verhältnisse - man hält sich nicht zwingend an Verkehrsregeln, aber man paßt aufeinander auf und fährt mit wachen Sinnen. In den drei Wochen meines Aufenthaltes in Georgien habe ich einen einzigen Crash gesehen, und der war auch noch auf einer wenig befahrenen Landstraße mit einem deutschen Kleinbus, dessen Fahrer die Fahrbahn alleine und unsanft verlassen hatte.

Am Straßenrand stehen viele Menschen, sie warten auf eine Marschrutka, einen der Kleinbusse, die hier einen Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs abwickeln. Mit den Bussen werde ich in den kommenden Tagen noch intensive Bekanntschaft schließen. Der Himmel reißt zu meiner Begrüßung auf, Lichtfinger tasten den Mtkwari entlang, einige Baukräne tanzen über der Stadt. Wenn man die übliche politische Berichterstattung über Georgien verfolgt, so ist immer wieder die Rede vom Niedergang des Landes und der herrschenden Korruption. Aus der Nähe ist der Eindruck differenzierter. Da ist das Hotel Iweria, in dem seit 1994 die Flüchtlinge des Abchasienkonfliktes leben. Da ist aber auch Wiederaufbau, Eigeninitiative, die viele Menschen antreibt, sich nicht hängen zu lassen. Es tut sich etwas in Tbilissi, auch wenn das Geld dafür nicht immer aus Steuermitteln stammt.

Der Abend bringt die erste richtige georgische Tafel, ein Tamada wird gewählt, der Tischführer, der Trinksprüche nach bestimmten traditionell überlieferten Regeln ausbringt. Ein Großteil der für Georgien typischen Gerichte steht bereits auf dem Tisch, Saziwi, Chatschapuri, Pchali, Tkemali... Neue Teller und Schüsseln folgen den ganzen Abend hindurch. Vom Tamada werde ich zum Alawerdi-Trinken aufgefordert, ich bekomme ein volles Trinkhorn gereicht und leere es auf einen Zug, drehe es demonstrativ um. Die Runde hat mich akzeptiert.

Wenn diese Tafeln oft ohne alkoholbedingte Ausfälle abgehen, dann liegt das daran, daß man eigentlich nur trinken darf, wenn man einen Spruch ausgebracht hat. Dies reduziert bei einigen Menschen den Alkoholkonsum, zum Trinken bis zum Umfallen wird hier keiner gezwungen. In diesen Wochen habe ich allerdings auch zwei Ausfälle erlebt, jeder reagiert nun mal anders auf Alkohol... Leider ist die georgische Tafel meist eine Angelegenheit der Männer, die weiblichen Teilnehmer sind oft lange mit Kochen, Spülen und Bedienen beschäftigt. Und vielfach werden die interessantesten Gesprächen unter Menschen, die sich lange nicht mehr gesehen haben, vom Tamada unterbrochen, der einen neuen Trinkspruch ausbringt. Aber diese Tradition gehört zu denen, die auch von jungen Georgiern gepflegt wird.

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