Reso Tschchikwischwili

Reso Tschchikwischwili beendete seine Ausbildung als Schauspieler am Institut für Theater und Kino in Tbilissi. Nach dem Studium bekam er ein Engagement zuerst am Rustawitheater und nach zwei Jahren am Mardshanischwili Theater. Schon für seine erste Rolle bekam er einen Preis für die beste Arbeit des Jahres. Ausserdem ist er viermal für seine Arbeit als Theater- und Kinoschauspieler ausgezeichnet worden. Unter anderem als "Verdientester Schauspieler des Landes".

Seine schauspielerische Arbeit beschränkte sich nicht nur auf Georgien. Er spielte in russischen und aserbaidschanischen Filmen mit. 1981 hatte Reso seinen ersten Kontakt mit Deutschland. Eine damals in der DDR berühmte Regisseurin, Iris Guser, bot ihm eine Rolle in einem DEFA-Film an.

Bis 1993 hat er eine Karriere als Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler gemacht. Jetzt spielt er im Grillo Theater in Essen.

? Soviel ich weiß, stammen Sie aus einer Arztfamilie. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie für die Bühne geboren sind?
! Schon während meiner Schulzeit hat sich eine besondere Vorliebe und Neugier zum Theater entwickelt. Ich stamme aus einer Arztfamilie. Mein Vater war Arzt, meine Mutter und mein Bruder auch. Sie wollten mich auch als Arzt sehen. Aber als mein Vater in seiner Praxis eine Notoperation durchführte, sah ich zufällig zu. Ich konnte kein Blut sehen. Seitdem stand für mich fest: ich sollte kein Arzt werden. Zu meiner Schulzeit war die Schauspielerei sehr beliebt. Das Gefühl, vor allen erkannt und bewundert zu werden, hat mich sehr gereizt. Die Leute konnte ich immer zum Lachen bringen, so dass sie sagten: "Du bist ein geborener Schauspieler". Das hat mir Mut gegeben, mit der Schauspielerei weiterzumachen.

? Ihre erste Rolle Koka Mcheidse im Theaterstück "Hinter Fensterläden ist Frühling" haben Ihre georgischen Fans bis heute nicht vergessen. Wie hat diese Rolle Ihr schöpferisches Leben beeinflußt?
! Koka Mcheidse war das größte Ereignis meines Lebens. Diese erste Rolle hat mich über Nacht berühmt gemacht. Mit 22 Jahren war ich für die Jugend ein Held, der sich nicht scheute, Wünsche, Liebe und Schmerz eines jungen Mannes zu zeigen. Diese Rolle war die Visitenkarte meiner Schauspielkarriere. Sie öffnete mir viele Türen meines schauspielerischen Lebens. Noch heute werden die Ausschnitte aus diesem Theaterstück im Fernsehen gezeigt.

? Im Leben jeden Schauspielers gibt es unvergessliche Rollen. An welche von Ihren Rollen erinnern Sie sich besonders?
! In meiner Schauspielkarriere habe ich viele Rollen gespielt. Besonders gern erinnere ich mich an die Rolle von Koka Mcheidse in "Hinter Fensterläden ist Frühling" von Lascha Tabukaschwili, auch die Rolle des Ferdinand in "Kabale und Liebe" (ebenfalls ein Preis); Cäsar Caligula. Das sind die Rollen, die ich in Georgien gespielt habe. Und meine in Deutschland gespielten Rollen: "Dreck" von Robert Schneider. Damit habe ich 1995-96 an zwei Festivals teilgenommen. Noch heute sprechen mich die Leute zu diesem Stück an. Außerdem ist da das Musical "Kabarett", wo ich den Conférencier gespielt habe und meine letzte Arbeit in "Der Gitarrenmann".

? Ich erinnere mich an den berühmten georgischen Dichter Mirsa Gelowani, der im zweiten Weltkrieg gefallen ist. Sie haben ihn im Film "Ich komme wieder" dargestellt. Damals waren Sie sehr jung. Was für eine Bedeutung hat diese Rolle für Sie als Künstler? Wie schwer oder leicht fiel es Ihnen, einen Künstler zu spielen?
! Es war für mich eine große Ehre, die Rolle des Mirsa Gelowani spielen zu dürfen. 6 Monate lang habe ich als Mirsa gelebt, mich in seine Gedichte vertieft, die Zeit seiner Blüte gespürt bis zu seinem Tod. Dieses Vertrauen, das mir als 25-jährigem entgegengebracht wurde, hat mich sehr stolz gemacht.

? Im Leben jeden Schauspielers geht die Partnerschaft oft nach den Dreharbeiten oder Theaterproben weiter. Mit welcher Partnerin / welchem Partner haben Sie gern gearbeitet?
! Es sind sehr viele, mit denen ich gearbeitet habe und jede Partnerin / jeder Partner hat ihre / seine Persönlichkeit. Ich kann nicht alle aufzählen, aber manche werde ich gerne erwähnen: Erosi Mandshgaladse, Ramas Tschchikwadse, Sopiko Tschiaureli, Medea Dshaparidse, Otar Megwinetuchuzesi, Giwi Berikaschwili, Marina Dshanaschia, Merab Ninidse usw. (sowohl im Theater als auch in Filmproduktionen).

? Wer ist Ihr Lieblingsregisseur in Georgien?
! Da gibt es mehrere: Temur Tschcheidse, Giga Lortkipanidse, Robert Sturua.

? Einige begabte georgische Schauspieler leben und wirken im Ausland. Mit welchen von Ihnen haben Sie Kontakt?
! Kontakt habe ich mit Lewan Utschaneischwili, der in Amerika lebt und Patenonkel meines ältesten Sohnes ist; und mit Merab Ninidse, der in Österreich lebt und Patenonkel des jüngeren Sohnes ist.

? Seit sieben Jahren leben und wirken Sie in Deutschland. Wie hat alles begonnen?
! Im Rahmen eines deutsch-georgischen Projektes kam ich nach Essen. Die beiden Regisseure Matthias Kniesbeck und Michael Seewald haben mit georgischen Schauspielern und Schauspielerinnen der staatlichen Bühnen aus Tbilissi das Theaterstück "König Euripides" von Sophokles inszeniert. In dem Stück, das auf Georgisch war, spielte ich den König. Die Premiere fand in Essener Grillo Theater statt. Das Stück hatte einen Riesenerfolg. Mit dieser Arbeit lernte mich Jürgen Bosse, der Intendant des Essener Grillo Theaters kennen. 1 Jahr später hat er mich nach Deutschland eingeladen. Ich habe das Angebot angenommen und bin jetzt ein Stammschauspieler des Theaters. Seit 1996 spiele ich mittlere und Hauptrollen. Meine erste Rolle war der "Ausrufer" von Woizek.

? Als Schauspieler waren Sie vom georgischen Publikum sehr verwöhnt. Wie hat Sie hier diese für Sie fremde Bühne und dieses fremdartige Publikum aufgenommen?
! Der Anfang in Deutschland war nicht einfach. Zuerst mußte ich die deutsche Sprache gründlich lernen, besonders meine Aussprache und Betonung verbessern. Dem Publikum ist mein fremder Akzent aufgefallen, hat mich sofort akzeptiert und positiv aufgenommen.

? Was für Unterschied gibt es zwischen der deutschen und georgischen Bühne? Worin sind die deutschen Theaterliebhaber von den georgischen unterschieden und worin sind sie ihnen ähnlich?
! Die Arbeitszeiten, Methoden sind unterschiedlich. In Deutschland, bzw. bei uns im Theater werden pro Spielzeit 10 bis 12 Stunden einstudiert. Dadurch hat man ca. 6-7 Wochen Proben pro Stück, was sehr stressig ist. Das georgische Publikum ist offen mit den Schauspielern und geht eher auf uns zu und spricht uns an.

? In Georgien haben Sie es geschafft, gleichzeitig im Theater und im Kino zu spielen. Wie steht es damit in Deutschland? Können Sie beides miteinander vereinen?
! Nein, leider nicht. In den letzten Jahren habe ich auch im Kino gespielt. Einige Angebote musste ich mir leider entgehen lassen. Fürs Kino bleibt keine Zeit mehr. Das Theater nimmt viel Zeit. Aber ich hoffe immer noch, dass ich doch im Kino spielen kann.

? Jeder Schauspieler hat eine seine Traumrolle. Haben Sie Ihre Traumrolle schon gespielt oder bleibt das noch ein Traum für die Zukunft?
! Ich habe mir immer gewünscht, in einem Kabarett zu spielen. Das ist mir gelungen und ich habe im Musical "Cabarét" gespielt.

? Was haben Sie aus Georgien als Schauspieler Neues auf die Bühne gebracht?
! Meine georgische Art, Mentalität, meine Individualität, Gefühle und Körpersprache lebe ich auf der deutschen Bühne aus.

? Sie haben vor drei Jahren in einer georgischen Zeitung gesagt, dass es Ihnen sehr schwer falle, auf der deutschen Bühne als REZO aufzutreten, dass Sie den Hauptteil Ihrer Energie für eine spätere Zeit wieder für die georgische Bühne behalten wollen. Was denken Sie jetzt darüber? Können Sie sich vorstellen, wieder auf der georgischen Bühne zu spielen?
! Alles hat seine Zeit. Im Moment bin ich im deutschen Theater beschäftigt. Aber ich kann mir ganz gut vorstellen, für meine georgischen Fans wieder zu spielen. Hoffentlich bald. Mein grösster Wunsch ist es, beiden Künsten zu dienen.

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