Deutsche Spuren in Georgien

Deutsche Kriegsgefangene in Georgien

Deutsche Spuren in Georgien - Friedhof Sairme -  Kriegsgefangene Gräber Zweiter Weltkrieg Zwangsarbeit Hunger Tod - Bauen Straße Brücken Kraftwerke

Straße und Friedhof in Sairme

In der Zeit des II. Weltkriegs gerieten Hunderttausende Soldaten der deutschen Wehrmacht in russische Kriegsgefangenschaft. Viele von ihnen wurden nach Sibirien deportiert, andere mussten in Moskau arbeiten. Einige deutsche Kriegsgefangene wurden auch nach Georgien gebracht, um dort zu arbeiten.

Spuren dieser deutschen Kriegsgefangenen findet man heute in Georgien vor allem anhand ihrer Gräber. Denn Hunderte von ihnen überlebten den Arbeitseinsatz in der Sowjetunion nicht. Friedhöfe von Kriegsgefangenen finden sich z. B. am Kreuzpass an der Georgischen Heerstraße, bei Borjomi und beim Kurort Sairme. Dieser Friedhof dort und seine Toten haben selbst mehrere Geschichten zu erzählen, die wir Ihnen hier berichten wollen. 

Kurort Sairme

Der Kurort Sairme liegt im Südwesten Georgiens ca. 40 km südlich von Kutaissi in einer Höhe von rund 900 Metern über NN. Von Bagdati aus führt eine Straße durch das Tal den Berg hinauf. Diese Straße wurde von deutschen Kriegsgefangenen gebaut. 

Sairme war in der Zeit der Sowjetunion ein beliebter Kurort. Das Heilwasser sollte besonders bei Magenbeschwerden Linderung bringen. Der Mineralgehalt des Wasser ist für Gesunde allerdings mit Vorsicht zu genießen. Heute ist Sairme ein beliebter Ort für Familien, die der Hitze in den großen Städten Georgiens entfliehen möchten. 

Hunger

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Der Friedhof in Sairme

Zeitzeugen berichten, dass mit den Ausbau der Straße bereits in der Zeit des II. Weltkriegs begonnen worden sei. Zu diesem Zeitpunkt habe es nur wenige Einwohner in Sairme gegeben. Die Kriegsgefangenen seien in alten Hütten untergebracht worden. Der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung in Georgien sei untersagt gewesen. Während die Offiziere sehr streng bei der Bewachung gewesen seien, hätten die Einwohner Mitleid mit den Gefangenen gehabt. 

Die Kriegsgefangenen mussten hart arbeiten. Ihre Ernährung entsprach dem nicht. Quellen berichten von zwei Litern Suppe am Tag, einem Laib Brot und ein wenig Fisch. Die Bevölkerung habe versucht, die Gefangenen zu unterstützen. Eine Zeitzeugin berichtete von einem Jungen, der im Haus seiner Eltern Essen gestohlen und an einem bestimmten Platz abgelegt habe, um einen Gefangenen zu unterstützen. Sein Vater habe ihm dies aus Angst verboten. Dann habe die Mutter des Jungen den Gefangenen versorgt. Damit haben sie, berichtete eine Zeitzeugin, diesem Gefangenen das Leben gerettet. Man berichtete auch, dass die Gefangenen die Buchen geschüttelt hätten, um vom Buchweizen zu essen. 

Die harten Arbeitsbedingungen forderten ihren Tribut. Viele der Kriegsgefangenen starben durch Hunger und Entkräftung. Weniger als 100 von ihnen kehrten nach Deutschland zurück. Die Verstorbenen wurden neben der Straße verscharrt, an einer Stelle, an der heute ein Sanatorium steht. 

Alpträume und Unfälle

Um diese Grabstätte rankt sich nun eine Geschichte. Dort sei eine Pension gebaut worden. Die Gäste dieser Pension hatten allerdings ein Problem: Sie konnten nicht gut schlafen, wer im Erdgeschoss nächtigte, habe Alpträume gehabt. Erst als man die Pension abriss, habe man die Gebeine der Kriegsgefangenen entdeckt. 

Die Pension mit den schlaflosen Gästen habe es nach Berichten von Anwohnern nie gegeben. Ein Zeitzeuge berichtete hingegen vom Prozess des Baus. So habe es in Sairme einen Betrieb zur Abfüllung des Heilwasser gegeben und neben diesem habe die Pension gestanden, in der man schlecht geschlafen habe. Auf Initiative des Sohnes dieses Zeugen habe man dann einen alten Mann im Ort gefunden, der kurz vor seinem Tod noch über seine Zeit als Aufseher der Kriegsgefangenen berichtet habe. Nach Gesprächen mit Behörden, Veteranen und dem damaligen Präsidenten Schewardnadse habe man dann 1994 entschieden, die Pension abzureißen. Und dabei die Knochen gefunden. 

Um die Knochen und den Friedhof rankt sich noch eine andere Geschichte. Dem Sohn dieses Zeitzeugen sei aufgefallen, dass es entlang der Straße sehr viele Bilder von Menschen gebe, die auf der Straße durch Autounfälle ums Leben gekommen seien. Auf der Straße liege ein Fluch, solange die Kriegsgefangenen nicht richtig bestattet worden seien. Als der neue Friedhof dann eingerichtet worden sei, habe es in den Jahren danach keinen tödlichen Unfall mehr gegeben. 

Der Friedhof für die deutschen Kriegsgefangenen wurde Ende 1995 eingeweiht. Er liegt am Beginn des Ortes. Der Friedhof ist treppenförmig angelegt, ein großes, mittlerweile zerbrochenes Kreuz steht in der Mitte und mehrere Stelen weisen auf die Gräber hin. 

Nach Angaben des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge gibt es derzeit 41 Grabstätten in Georgien. Sairme ist eine davon. Die Straße ist mittlerweile asphaltiert.

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