Georgische Geschichte

Ablösung der 3 Teilrepubliken

Im Sommer 1991 brach Unruhe unter den 450.000 Armeniern aus, die vor allem in einigen Bezirken im Süden Georgiens in geschlossenen Siedlungen leben. Als 1992 der Sezessionskrieg in Abchasien ausbrach, flüchteten die dort lebenden Armenier in großer Zahl nach Rußland. Ähnliche Probleme mit der Zentralregierung in Tiflis hatte auch die ebenfalls im Süden Georgiens lebende Minderheit der 250.000 Aseri, die in mehren Bezirken gegenüber den Georgiern die Mehrheit bilden. Hauptstreitpunkt war der Beschluß der georgischen Regierung, die Bergvölker aus Swaneti (im Norden Georgiens) in die Wohngebiete der Aserbaidshaner umzusiedeln.

Ein noch ungelöstes Problem stellt die Rücksiedlung der moslemischen Mescheten in ihre ursprüngliche Heimat im Süden Georgiens an der türkischen Grenze dar. Stalin hatte 1944 rund 130.000 von ihnen nach Sibirien und Usbekistan deportieren lassen. Inzwischen sind es 300.000. Nach ihrer Rehabilitierung 1956 wollten die Mescheten in ihre Heimat zurückkehren, wo jedoch inzwischen vor allem Bergvölker und Armenier angesiedelt wurden. Tiflis ließ bislang nur die georgischsprachigen Mescheten ins Land. Die turksprachigen Mescheten, die seit ihrer Vertreibung aus Usbekistan 1989 in Kasachstan, Rußland (Sotschi) und Aserbaidschan leben, warten noch immer auf ihre Repatriierung. Auffallend war bisher, daß die Russen, seit Generationen als zweitgrößte nationale Minderheit in Georgien lebend, sich im Gegensatz zu den Russen im Baltikum, Moldawien oder in der Ukraine nicht im Sinne der Moskauer Machtpolitik instrumentalisieren ließen. Seit Jahrhunderten zeichnete sich Georgien durch Toleranz, Mäßigung und Gastfreundschaft aus, wo verfolgte Völker (Armenier, Juden, Kurden und Griechen) Unterschlupf fanden. Heute sind dieser Toleranz durch die Angst, die georgische Identität und Staatlichkeit zu verlieren, auch gegenüber einem "sanften" Separatismus der Armenier, Aserbaidshaner oder Atscharier enge Grenzen gesetzt.

Adschara

Die Adscharier sind moslemische Georgier, die im Osmanischen Reich (16.-18. Jahrh.) zum Islam konvertierten. Sie bilden daher keine ethnische, sondern vielmehr eine religiöse Minderheit. 1936 schuf Stalin innerhalb der Republik Georgien im Südwesten die Atscharische Autonome Republik. Ihre 450.000 Bewohner sind mehrheitlich moslemische Georgier. Ihre Hauptstadt ist Batumi an der Schwarzmeerküste. Der Gedanke einer atscharischen Identität trat zur Zeit der Perestrojka Gorbatschows (ab 1988) in den Vordergrund.

Das führte zu Massendemonstrationen der Adsharen in Batumi. Nach den Wahlen verfügte keine der Parteien über eine absolute Mehrheit im neuen Parlament Atscharas. Zum Vorsitzenden des Parlaments (Oberster Rat) wurde Aslan Abaschidse gewählt. Damit begann der Aufstieg dieses Politikers zum mächtigsten und einflußreichsten Führer Atscharas. Er war im wesentlichen mit Hilfe des damaligen georgischen Präsidenten Gamsahurdia an die Macht gekommen, da er sich für ein einheitliches föderatives Georgien ausgesprochen hatte. Abaschidse pflegte nicht nur zu den in Atschara stationierten russischen Truppen, sondern auch zu den Generälen in Moskau gute Beziehungen. Dank seiner Wirtschaftspolitik gelang es Abaschidse jedoch, sich in Atschara einen starken Rückhalt zu verschaffen. Er erklärte Atschara zur freien Wirtschaftszone und entwickelte den Hafen von Batumi zum bedeutenden Handelsumschlagplatz. Zahlreiche Ausländer investierten in der Umgebung von Batumi, das für seine Erdölraffinerien und Strände berühmt ist. Über seinen inzwischen diktatorischen Regierungsstil wird man sich sicherlich hinwegsetzen, sollte es ihm gelingen, den Bau einer Erdölpipeline von Aserbaidschan über Georgien nach Batumi durchzusetzen.

Südossetien

Die ethnischen Unruhen zwischen Osseten und Georgiern begannen im Herbst 1989. Die Belagerung der südossetischen Hauptstadt Zchinwali durch die nationalistische Opposition aus Tiflis forderte Tote und Verletzte. Truppen des sowjetischen Innenministeriums verhüteten zunächst Schlimmeres. Am 20. September 1990 proklamierten die Südosseten eine Südossetische Demokratische Sowjetrepublik und erklärten ihre Loslösung von Georgien. Georgische Milizen drangen wenig später in das autonome Gebiet ein, während die Osseten die Häuser der Georgier in der Gebietshauptstadt Zchinwali in Brand setzten. Zahlreiche Osseten flohen nach Nordossetien, die vertriebenen Georgier nach Tiflis. Erst im April 1991 schickte Moskau zur Wiederherstellung der Ordnung Sondertruppen (OMON) des Innenministeriums nach Südossetien, die die ossetische Seite unterstützten. Die georgischen Milizen verließen Südossetien.

In Tiflis war man - das Beispiel Moldawiens vor Augen - der Meinung, daß Moskau die ossetische Karte ausspielen wolle, um Georgien im Bestand der UdSSR zu behalten. So dauerten die Kämpfe zwischen Georgiern und Osseten im Laufe des Jahres 1991 an. Das sowjetische Innenministerium entsandte zusätzliche Truppen nach Südossetien. Am 26. November 1991 erklärte das Parlament einseitig die Unabhängigkeit Südossetiens. Die Kämpfe zwischen Georgiern und Osseten wurden im ersten Halbjahr 1992 mit unverminderter Härte weitergeführt. Erst im Juni 1992 beschloß der russische Sicherheitsrat, angesichts der gespannten Lage im Nordkaukasus den Südossetien-Konflikt mit politischen Mitteln zu lösen.

Das Auftreten russischer Fallschirmjäger-Einheiten setzte den Kämpfen zwischen Osseten und Georgiern ein Ende. Demzufolge war es nun Moskau, das die Bedingungen in Südossetien diktierte. Dies erklärt u. a., warum inzwischen die vertriebenen Südosseten in ihre Siedlungen zurückkehren durften, nicht aber die Georgier. Vor diesem Hintergrund unterzeichneten Schewardnadse und Jelzin am 24. Juni 1992 in Sotschi ein "Abkommen über die Prinzipien einer Lösung des Georgisch-Ossetischen Konfliktes". Aufgrund des Abkommens zwischen Jelzin und Schewardnadse ist seit Juli 1992 eine knapp 1.500 Mann starke gemeinsame Friedenstruppe, bestehend aus einem russischen Bataillon (700 Mann) sowie nord- und südossetischen (470) und georgischen (320) Milizen, in Südossetien stationiert. Außerdem wurden im April 1994 zusätzlich russische Truppen zur Kontrolle der wichtigen Paßstraße zwischen Nord- und Südossetien in das Gebiet verlegt.

Die Abchasen, die sich selbst Apsua nennen, sind mehrheitlich sunnitische Moslems. Eine Minderheit bekennt sich zum orthodoxen Christentum. Als kaukasisches Volk gehören sie zur abchasisch-adygeischen Sprachgruppe. Die abchasische Schrift wurde ab 1932 auf der Basis des Lateinischen, ab 1938 des Georgischen und ab 1954 des Russischen geschrieben. Die Abchasen ließen sich von Moskau stets leicht gegen georgische Unbotmäßigkeiten instrumentalisieren. Nach der Verabschiedung der georgischen Verfassung von 1978 fühlten sich die Abchasen kulturell diskriminiert, forderten die Sezession von Georgien und den Anschluß an die Russische Föderation (RSFSR). Zwar gab Moskau diesen Forderungen nicht nach, doch gewährte man ihnen eine Reihe von Konzessionen, einschließlich der Einrichtung einer eigenen Universität in der abchasischen Hauptstadt Suchumi.

Fast alle Führungsposten in Partei und Regierung sowie den kulturellen Einrichtungen der autonomen Republik wurden durch die Minderheit der Abchasen (knapp 18%) besetzt. Im Frühjahr 1989 begannen Massendemonstrationen der Abchasen, die im Rahmen eines unabhängigen Georgien den angeblichen Verlust ihrer nationalen Identität fürchteten. Die Zusammenstöße zwischen Abchasen und Georgiern im Sommer 1989 in Abchasien forderten Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Die Vorgänge in Abchasien lösten auch die Massendemonstrationen georgischer Nationalisten in Tiflis aus, die von den sowjetischen Sicherheitskräften brutal (durch Giftgaseinsatz) beendet wurden. Das Verhältnis zwischen Abchasien und Georgien wurde in der Periode 1989-1992 durch externe Faktoren kompliziert. In Moskau tobte der Machtkampf Gorbatschow-Jelzin, aus dem zwar Jelzin als Sieger hervorging, jedoch auf Kosten der untergegangenen UdSSR. Gleichzeitig bildeten sich unter den Völkern des Nordkaukasus - oft kurzlebige - Allianzen mit dem Ziel, größere Autonomie zu erlangen.

Krieg in Abchaseti

Der abchasisch-georgische Krieg begann im Sommer 1992, nachdem der Oberste Sowjet Abchasiens am 23. Juli 1992 die Unabhängigkeit Abchasiens erklärt hatte. Eine Gegenerklärung Georgiens über die Ungültigkeit der abchasischen Beschlüsse folgte am 25. Juli. Am 14. August 1992 besetzte die georgische Nationalgarde die westgeorgische Stadt Sugdidi und am 18. August die abchasische Hauptstadt Suchumi. Die Kämpfe zwischen den abchasischen Milizen und der georgischen Nationalgarde verursachten Flüchtligsströme von Armeniern, Russen und Georgiern aus Abchasien. Etwa 2.000 nordkaukasische Freiwillige sowie Südosseten, abchasische Kosaken und Abchasen aus der Türkei und den Nahostländern (wo ca. 500.000 Abchasen leben) stellten sich als Kämpfer auf die Seite der Abchasen. Damit hatte sich die militärische Lage zugunsten der Abchasen verändert.

In dieser Situation trafen sich Jelzin, Schewardnadse und Ardsinba in Moskau und unterzeichneten am 3. September 1992 eine Vereinbarung, die die territoriale Integrität Georgiens garantierte, einen Waffenstillstand und die Einsetzung einer Kontrollkommission sowie Neuwahlen in Abchasien vorsah. Der künftige Status Abchasiens wurde dabei ausgeklammert. Durch diese Vereinbarung hat sich Moskau eine Schlüsselrolle im abchasisch-georgischen Konflikt gesichert. Angesichts der erniedrigenden Niederlagen sah sich Schewardnadse gezwungen, einen neuen russischen Konfliktregelungsplan zu akzeptieren.

Die letzten georgischen Truppen verließen am 30. September 1993 Abchasien, gefolgt von rund 250.000 georgischen Flüchtlingen sowie Tausenden von Armeniern und Griechen. Die pro-georgische abchasische Regierung verlegte ihren Sitz von Suchumi nach Tiflis. Am 4. April 1994 wurde in Moskau unter der Schirmherrschaft Rußlands, der UNO und der KSZE zwischen Georgien und Abchasien ein Abkommen unterzeichnet, das einen Waffenstillstand, die Rückkehr der rund 250.000 Flüchtlinge und die Entsendung einer 2.500 Mann starken UNO-Friedenstruppe nach Abchasien vorsah. Am 14. Mai 1994 unterzeichneten Abchasien und Georgien in Moskau unter der Schirmherrschaft Rußlands ein weiteres Abkommen über die Entsendung einer 2.500 Mann starken GUS-Friedenstruppe, die in Wirklichkeit aus drei Bataillonen der russischen Armee bestand. Sie wurden ab Juni 1994 in einer 12-km-Sicherheitszone am Fluß Inguri an der abchasisch-georgischen Grenze sowie in Kodori Gorge stationiert, u.a. mit der Aufgabe, die Rückkehr der georgischen Flüchtlingein den abchasischen Bezirk Gali zu ermöglichen. Abchasien war ein bevorzugtes Feriengebiet der UdSSR.

Allein das Politbüro der KPdSU besaß 5% der abchasischen Schwarzmeerküste, die heute von Moskau als russisches Eigentum beansprucht wird. So war es nicht verwunderlich, daß Rußland und die Abchasen kein großes Interesse daran hatten, die Rückkehr der 250.000 georgischen Flüchtlinge, wie von der UNO gefordert, zu ermöglichen. Bis Ende 1994 durften gerade 40 Familien (200 Personen) in den Bezirk Gali zurückkehren. Im März 1995 drangen etwa 600 abchasische Milizen in Gali ein und richteten dort ein Massaker an Georgiern an. Das Projekt der Rückführung der Flüchtlinge kam nach dem Massaker erst recht zum Stillstand. Währenddessen stagnierten die Verhandlungen über den politischen Status Abchasiens und das Schicksal der georgischen Flüchtlinge, die unter der Ägide der UNO im Februar 1995 in Genf stattfanden.

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