Malerei in Georgien

Niko Pirosmani

Niko Pirosmanaschwili stammt aus Ostgeorgien, genauer aus der Region Kacheti. Geboren wurde er im Jahr 1862, als genaues Datum nimmt man heute den 5. Mai an. Seine Eltern, Aslan Pirosmanischwili und Tekle Toklikischwili, waren Bauern, weder besonders reich noch besonders arm. Sie hielten sich einige Rinder und hatte einen einigen Weinberg. Die Familie hatte drei Kinder, die beiden Töchter Mariam und Pepe und als jüngstes Kind den Sohn Niko.

Das ruhige Familienleben endete, als Aslan sich 1870 eine schwere Erkältung zuzog und an ihren Folgen verstarb. Diese Zeit hat im Werk Niko Pirosmanis Spuren hinterlassen - wir sehen eine Bauernfamilie bei der harten Arbeit, dies könnten seine Eltern sein, zudem hat er mehrfach Eltern mit ihren Kinder als Motiv gewählt. Die harte Zeit nach dem Tod des Ernährers der Familie zeigt sich in späteren Bildern, in denen dunkle Farbe im Hintergrund dominieren und traurig dreinblickende Kinder zu sehen sind - ein Spiegelbild der Seele des jungen Niko. Schon in jungen Jahren mußte er auf dem Hof der Eltern mit anpacken. Zu den Menschen, die Niko auf seinen Bildern verewigte, gehörten auch seine ältere Schwester Mariam und ihr Mann, die er mit Hut und Schirm abbildete. Als er 8 Jahre alt war, nahm der Mann ihn mit nach Tiflis, um der Mutter das Leben zu erleichtern und Mariam Gesellschaft zu geben. Er kümmerte sich jedoch kaum um den Jungen, zudem wütete eine Choleraepidemie in Tiflis, die Mariam das Leben kostete. Ihr Mann gab Niko in die Familie Kalantarow, bei denen er lebte und für die er die Rolle des Dieners spielen sollte.

In der Familie Kalantarow hatte Niko ein recht angenehmes Leben. Man behandelte ihn fast wie einen eigenen Sohn. Zu seinen Aufgaben im Haushalt zählten, den Samowar zu bedienen, Wasser zu holen und das Geschirr abzuspülen. Niko lernte in dieser Zeit Lesen und begann zu malen. Er bemalte alle Wände in seinem Zimmer. Schon in dieser Zeit kümmerte er sich nicht um die materiellen Dinge des Lebens. Die Kinder seiner Nachbarschaft schätzten seine Phantasie und sein Talent, Geschichten zu erzählen. Er malte, während er ihnen Erzählungen und Märchen vortrug. Später wechselte er als Diener in andere Familie, als junger Mann nahm er sich eine eigene Wohnung, wo er sich in die verwitwete Vermieterin verliebte. Als die Affäre in die Öffentlichkeit kam, verließ er das Haus - der Beginn seines eigenen Lebens.

Margarita

Eines der vielen Bilder Pirosmanis zeigt eine junge Frau, das Bild ist als "Schauspielerin Margarita" betitelt. Diese Frau war für Niko der Quell der Inspiration für Gedichte und romantische Legenden. Margarita war eine französische Tänzerin. Sie kam im Jahr 1905 nach Georgien und traf mit Niko zusammen. Er verliebte sich unsterblich in sie. Zu den Geschichten um beide zählt, daß Niko sein ganzes Geld ausgab, um ihr einen See aus Blumen zu bereiten. Der georgische Schriftsteller Schalva Dadiani schrieb über diese Liebe, Nikos Schwester Pepe schrieb ihm: "Er hatte nie eine Familie, aber ich bin mir sicher, er hatte eine Geliebte."

Wer war diese Frau, die das Leben Niko Pirosmanis so nachhaltig beeinflußte und die auf der Leinwand unsterblich werden ließ? Man weiß fast nichts über sie. Der Biograph Zdanewitsch schrieb über beide: "Niko wußte nicht, was Liebe ist, bis er sie traf. Sie trat als Sängerin und Tänzerin im Muschtaid Garten auf, in Begleitung einer Mazurka und brachte Pariser Chansons auf die Bühne. Niko war von ihn gefangen, konnte seine Augen nicht von ihr wenden." Nikos Glückseligkeit war grenzenlos, er gab alle seine Ersparnisse aus, um sie zu umwerben. Aber Margarita fand heraus, daß er nicht reich und nicht berühmt war. Eines Tages hörte Niko, daß sie nach Paris abgereist war. Konstantin Paustowski schrieb dazu: "Er ließ eine Kutsche mit Blumen bis unter das Dach füllen, besprüht mit Wasser, als seine Millionen seiner Tränen auf sie gefallen. Der Kutscher hielt vor dem Haus, in dem Margarita wohnte. Er öffnete die Tür, verteilte die Blumen vor der Tür, bedeckte das ganze Pflaster und die Straße mit den Blüten. Tausende von Blumen sollten Nikos Liebe ausdrücken."

Nach dieser Aktion hatte Niko Pech mit seinen Geschäften, verlor sein gesamtes Geld und konnte sich nie wieder wirtschaftlich davon erholen. Er wanderte abends herum, suchte Restaurants auf und begann dort zu malen. In diesen "Dukhans" kamen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, nicht nur um zu Essen, sondern auch um sich über Geschäfte zu unterhalten. Niko beobachtete diese Menschen, ihr Eigenarten, ihr Benehmen, malte ihr Leben, malte die Geschichte und die Schönheit des Landes. Später stellte er seine Werke in diesen Stätten zur Schau. Die Menschen betrachteten seine Bildnisse der Königin Tamar, von Rustaweli, Giorgi Saakadse und Erkle II. Aber man betrachtete Niko als Trinker und Obdachlosen, würdigte sein Werk nicht in dem Maße, das ihm gegolten hätte. Ilia Zdanewitsch besuchte Niko im Jahr 1913, zu diesem Zeitpunkt lebte er in der Abstellkammer eines Weinhändlers. Er war zu stolz, die Besitzer der Restaurants, in denen er malte, nach einer Unterkunft zu fragen. Diese Menschen störten ihn oft und ließen ihn nicht in Ruhe arbeiten.

Die Entdeckung Pirosmanis

Als das 19. Jh. zu Ende ging, war Georgien in den Händen Rußlands. Schriftsteller wurden für ihre Gedanken zur Unabhängigkeit des Landes umgebracht, es regte sich der Wille zur Eigenständigkeit im Land. Niko hatte mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts Jahr um Jahr in den Dukhans gearbeitet. Er lebte nun in einem kleinen Apartment nicht weit vom Bahnhof. In allen Geschäften rund um seine Wohnung hingen Werke von ihm, Bilder von der Schönheit des Landes, von den Menschen und ihrem alltäglichen Leben. Niko selber konnte kaum seinen Lebensunterhalt und die Kosten für sein Material bestreiten. Er lebte in bitterer Armut.

Ilia Zdanewitsch berichtete in einer Zeitung über Pirosmani. Er nahm 4 seiner Bilder mit nach Moskau, wo sie mit anderen in einer Ausstellung über autodidaktische Maler gezeigt wurden. Man wurde auf ihn aufmerksam, die Kritiker berichtete über ihn. Niko wurde entdeckt. Doch Nikos Leben änderte sich nicht. Niemand griff ihm unter die Arme, er blieb weiterhin abhängig von den Menschen, die sein Talent nicht zu schätzen wußten.

Historisch-Ethnographische Gesellschaft

Der erste Artikel über Pirosmani erschien 1913 in der georgischen Zeitung "Temi". Man wußte nicht viel über ihn. Der erste, der ihm ein wenig Popularität verschaffte, war Dito Schewardnadze. Er kam 1916 nach Tiflis, sah die Bilder in den Geschäften und Gaststätten rund um den Bahnhof. In diesem Jahr kam er auf die Idee, eine Aufstellung aller bedeutenden georgischen Künstler der Gegenwart zu machen. Er nahm auch Pirosmani in seine Liste auf - betitelt als "Künstler von nationalem Rang."

Die georgische Historisch-Ethnographische Gesellschaft wurde gegründet. In ersten Treffen der Gesellschaft im März 1916 wurde vereinbart, armen Künstlern zu helfen. Man wollte herausfinden, wo vor allem Niko Pirosmani wohnte und wie man ihm helfen konnte. Zu den Menschen, die in dieser Gesellschaft den Vorsitz führten, gehörte auch Lado Gudiaschwili. Man lud Niko zum nächsten Treffen der Gesellschaft ein. Am 24 Mai 1916 traf die Gesellschaft erneut zusammen, hier konnte Pirosmani mit Schewardnadze reden. Man gab ihm 10 Rubel, Niko besorgte sich Material und malte das Bild über die "Hochzeit in früheren Tagen", zeigte das Bild der Gesellschaft. Er hörte jedoch einen Monat lang nichts von ihnen. Dann sah in einer Zeitung eine Karikatur über sich: Ein alter Mann stand vor einer Staffelei und malte eine Giraffe. Ein Schriftsteller steht neben ihm und sagt: "Bruder, du mußt lernen! In 10 bis 20 Jahren wirst du ein guter Maler sein und in einer Ausstellung für junge Künstler landen..." Niko tat diese Geschichte sehr weh. Er brach den Kontakt zur Gesellschaft ab. Er kehrte in sein Leben in den Dukhans zurück.

Nikos trauriges Ende

Der Weltkrieg griff nun auch auf Georgien über, die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich. Niko hatte keine Kunden mehr. Sein gesundheitlicher Zustand verschlimmerte sich. Er lebte auf der Straße, nachdem der letzte Vermieter in wegen seiner Mietschulden aus der Wohnung geworfen hatte. Nachts schlich er sich in den leerstehenden Keller des Hauses nah am Malakan Markt. Im Winter 1917 / 1918 wurde Niko ernsthaft krank, er konnte morgens nicht mehr aufstehen. Nachbarn fanden ihn entkräftet und bewußtlos. Man brachte ihn in ein Krankenhaus, aber dort starb er nach wenigen Stunden, 1918 in der Nacht vor Ostern. Erst nach seinem Tod wurden die Werke Niko Pirosmanischwilis bekannt - eine trauriges Schicksal, daß er mit so manchem anderen Künstler teilt.

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