Traditionen in Georgien

Tischsitten

Wenn Georgier feiern, dann feiern sie meist in größerem Kreise. Sie laden gern Gäste ein und sind durch ihre Gastfreundschaft nachgerade berühmt geworden. Verdienstvollen Persönlichkeiten und Ausländern werden Ehrenplätze eingeräumt.

Versammelt sich die Festgesellschaft, so kann es vorkommen, daß noch nach Stunden geladene Gäste eintreffen. Man nimmt es mit der Zeit nicht so genau, und in diesem Fall spielt sie ja wirklich eine untergeordnete Rolle. Irgendjemand setzt sich ans Klavier und spielt etwas vor. Und bevor alle beisammen sind, nutzt man die Zeit und tauscht die Neuigkeiten aus.

Der Tisch ist schon gedeckt. Er ist wie üblich brechend voll von Speisen und Getränken. Die Georgier sagen gern, um zu verdeutlichen, daß nichts mehr am Tisch fehlt, sogar Vogelmilch ist da.

Die Tischsitten sind sehr interessant. Sie folgen einem strengen Brauch. Zuerst wird der sogenannte Tamada gewählt, der das Geschehen am Tisch lenkt und Trinksprüche ausbringt. Er ernennt, um die Übersicht zu behalten, einen oder mehrere Gäste zu seinen Stellvertretern. In allem spürt man die Ordnung, die lenkende Stimme des Tamada.

Der Tamada bringt seine Trinksprüche nach einer wohldurchdachten Reihenfolge aus. Zuerst trinkt er auf das Wohl der Familie, die sie eingeladen hat. Dann lässt er reihum sich alle Anwesenden samt Angehörigen erheben und trinkt auf das Andenken der Verstorbenen. Die grosse Heimatliebe der Georgier kommt darin zum Ausdruck, dass ein Trinkspruch auf Georgien nicht fehlen darf. Die Trinksprüche, die der Tamada ausbringt, werden von den Gästen aufgenommen, wiederholt und können auch etwas variiert werden. Man trinkt auf die stolze Vergangenheit des Landes. In die Trinksprüche wird viel Geist hineingelegt, und so ist das Feiern in Georgien eine gesellschaftliche Angelegenheit, die höchsten Ansprüchen zu genügen hat. Einen Tamada, der geist- und witzlos ist und nur ans Trinken denkt, kann man sich nicht vorstellen.

Die Stunde eines fröhlichen Beisammens ist auch eine Gelegenheit zum Singen. Die Georgier singen gern. Sie pflegen ihre alten Volkslieder, auf die sie zu Recht stolz sein können. Die polyphone georgische Volksmusik ist von eigenartigem Reiz und wunderbarer Melodik.
Der Tamada bestimmt, ob aus Gläsern oder Hörnern getrunken wird. Ein Steinbockhorn zu leeren, ist eine gewaltige Leistung. Doch artet das Trinken nicht aus, es ist nicht Selbstzweck. Wer vom georgischen Tisch aufsteht, ist in gehobener Stimmung, aber nicht betrunken. Die Georgier verstehen bei allem Überfluss, Mass zu halten.

Bunt, vielseitig, interessant sind die Eindrücke, die man bei solch einem geselligen Beisammen gewinnt. Beeindruckend die Wärme und Herzlichkeit, die dem Gast entgegengebracht wird. Die Georgier, selbst Träger der alten, hohen, Kultur, schätzen die deutsche Kultur und ihre hervorragenden Vertreter hoch ein. Vielfach wissen sie besser über deutsche Geschichte und Kultur Bescheid als die Deutschen selbst.

Die Festlichkeiten der Georgier verbinden und einen sie. Und weil jeder gern feiert, dauern sie oft bis spät in die Nacht. Manchmal treffen sich am Tisch völlig wildfremde Menschen, doch die Georgier sind wie eine große Familie. Es heißt nicht umsonst, dass Georgier, die sich vorher nie gesehen haben, nach spätestens einer Stunde Gespräch entdeckt haben, dass sie viele gemeinsame Bekannte haben, und nach einer weiteren Stunde haben sie herausgefunden, dass sie Verwandte sind.

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