Reisebericht Georgien 2002
Mit dem Blaubär nach TiflisMit dem Blaubär nach Tiflis

Beim Blick nach draußen auf die Boeing 737, die da unten am Terminal des Frankfurter Flughafens auf unseren Einstieg wartet, beschleichen mich erste Zweifel. Was haben diese geflickten Stellen an oberen Rande des Cockpits zu bedeuten?

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Wani - 2.500 Jahre vor der EU

Wani
Der Ort liegt in der Provinz Imereti, am Rand der imeretinischen Ebene, 60 m ü. NN. Subtropisches Klima. 1380 mm Niederschlag pro Jahr. Historisch wichtige Stadt in Kolchis (Kolcheti), Blütezeit 3. - 1. Jh. v. Chr. Ausgrabungen seit 1947. Archäologische Funde reichen bis ins 8. Jh. v. Chr. zurück. Funde deuten auf Handel mit Griechenland hin. Wani war Handelszentrum von Kolchis, seit 3. Jh. v. Chr. Tempelstadt. Ende der Besiedlung 1. Jh. v. Chr.

Am Samstag brechen wir zur ersten Tour nach Wani auf. Bis dort sind es zwar nur 30 km, aber wir brauchen für die Strecke mit dem Auto 2 Stunden. Die Straße war mutmaßlich früher asphaltiert. Heute sind viele Abschnitte nur im 1. und 2. Gang, teilweise im Schritttempo mit schleifender Kupplung, zu befahren. Mehrere Schlaglöcher und Querrinnen sind so tief, daß der Sierra aufsetzt. Mehrfach werden wir von Wolgas und Ladas überholt, obwohl wir doppelt so viele PS unter der Haube haben. Aber die Kisten sind eher für diese Straßen gemacht als meine alte Familienkutsche.

Das archäologische Museum in Wani
Das archäologische Museum in Wani

Unser Ziel bietet einen archäologischen Höhepunkt Georgiens. In Wani fanden sich Spuren einer griechischen Siedlung, in der vor mehr als 2.000 Jahren Handel betrieben wurde. Bei der Fahrt dorthin empfiehlt es sich, jemanden im Auto zu haben, der oder die georgisch kann. Ziele wie dieses sind leider oft spärlich ausgeschildert, wir müssen mehrfach nach dem Weg fragen.

Griechisches Gesäß
Griechisches Gesäß

In Wani selber gibt es ein Museum, das die Funde aus der griechischen Vergangenheit präsentiert. Hier manifestiert sich eine Handelsbeziehung, die schon vor mehr als zwei Jahrtausenden die Eingliederung Georgiens in die EU vorwegnahm. Handel wurde hier damals vor allem mit Metallen betrieben, auch mit Goldschmuck. Leider sind alle Schaukästen unbeleuchtet, denn einmal mehr ist Stromsperre. In den 60er und 70er Jahren fanden hier bedeutende Ausgrabungen statt. Die alte Siedlung wurde freigelegt, man fand einige Gräber mit reichhaltigen Beigaben. Auch mehrere Statuetten konnten die Archäologen aus der Erde bergen, wie der knackige griechische Hintern zeigt. Zusammen mit uns ist eine Schulklasse in der Ausstellung, ich muß immer daran denken, daß ich in der Pubertät genauso laut war.

Erinnerung an das goldene Vliess
Erinnerung an das goldene Vliess

Als wir schon gehen wollen, fragt die Führerin, ob wir den Schatz sehen wollen. Zusammen mit einem Wachmann, der eine Maschinenpistole über der Schulter trägt, betreten wir die Schatzkammer des Museums. Beide haben etwas Schwierigkeiten, das Schloß zu öffnen. Aber dann betreten wir die Schatzkammer, die diesen Namen vollkommen zu Recht trägt. In mehreren Vitrinen liegen Münzen, Schmuckstücke und Geschmeide. Der Wachmann reicht mir eine Lupe. An einer Halskette kann ich so die feinen Details der Goldarbeit betrachten, die den hohen Stand der Kunst georgischer Goldschmiede dokumentieren. Hier sieht man einige der Schmuckstücke im Original, die wir seit Jahren auf der Georgienseite präsentieren. Wer in der Bergbauausstellung in Bochum war, hat vielleicht einige der Fundstücke gesehen, die in Kopie dort im Sommer 2002 zu sehen sind. Hier liegen die Originale. Auf der rechten Seite sind Münzen zu sehen, wie sie in Wani gefunden wurden. Wer in die Jahrtausende alte Geschichte Georgiens einsteigen will, der wird in Wani fündig.

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Wani

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