Reisebericht Georgien 2004
Bullen im PassatBullen im Passat

Nach 2 Jahren Pause treffe ich physikalisch wieder in Georgien ein, nachdem ich Georgien im Internet jeden Tag besucht habe, um aktuelle Nachrichten für unsere Leser ausfindig zu machen.

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Ananuri: Die Postkartenansicht Georgiens

Ananuri
Ananuri liegt 900 m über NN. War die Residenz des Fürstentums von Aragwi. Im XVII Jh. wurde Ananuri wegen der intensiven Beziehungen zwischen Georgien und Russland eine Stadt. Die Festung wurde XVI-XVII Jh. erbaut. 1743 hat der König von Kartli und Kacheti Teimuras II. das Fürstentum abgeschafft und die Festung wurde Besitz des Königreichs.

Wir fahren das Tal des Aragwi nach Norden hinauf. Der Fluß entspringt im Kaukasus-Nordkamm und mündet bei Mzcheta in den Mtkwari, wird dieses Wochenende unser ständiger Begleiter sein. Auf der Schäl Sick* des Aragwi zieht sich parallel zur Heerstraße eine andere Straße hindurch, von der auch die Straße in das touristische Highlight Schatili abgeht. Diese Straße ist nicht asphaltiert, beim nächsten Mal sollte ich dieses Stück mit dem MTB fahren, die Landschaft läßt sich so besser erleben als aus dem Auto.

Festung Ananuri
Festung Ananuri

Nach rund 20 km durch ein recht breites Tal zieht dieses sich zusammen, vor uns tut sich eine Staumauer auf. Vor Ananuri erreichen wir den Stausee, der das Tal mit Gletscherwasser auffüllt. Ein Bauwerk aus sozialistischer Zeit, aber mit optischen Auswirkungen auf die Landschaft, die das Herz des Hobbyfotographen höher springen lassen. Zumal wir den ganzen Tag schon sonniges Spätsommerwetter haben. Ist die Staumauer passiert, schlängelt sich die Straße den Hang entlang in die Höhe. Erneut denke ich, wir führen gerade in Norwegen und das rechts unter uns ist das Ende eines Fjords.

Mitten auf der Strecke steigen wir aus und gehen 500 m zur Datscha der Eltern unserer Gastgeberin. Im Gespräch erfahren wir die Geschichte dieser Siedlung. Vor 20 Jahren waren mehrere Kollegen eines Betriebes hier in Ananuri auf Betriebsausflug. Ihnen gefiel die Gegend hier so gut, daß sie bei der Leitung fragten, ob man dort nicht ein Stück Land erwerben könnte. Wochen später bekamen viele von ihnen ein Grundstück von 600 qm zugeteilt und konnten dies selbst bebauen. Eine Siedlung mit entsprechendem sozialen Zusammenhang ist entstanden. Und im Gegensatz zu Tbilisi, wo der Morgen ohne Strom stattfand, brennt hier das Licht.

Blick von der Festung auf den Stausee
Blick von der Festung auf den Stausee

Wir packen unsere Sachen für die Nacht aus, als die Familie die Georgien-Karte sieht, die uns seit drei Wochen den Weg durch Georgien weist, frohlocken sie, denn auf dem Titel steht die Festung, und dort wollen wir hin. Nach kurzer Fahrt mit dem Auto stehen wir vor dem Eingang, eine Hochzeitsgesellschaft wird gerade abgelichtet, kein Wunder, es ist ja Samstag.

Wir laufen einmal durch die Festung, und das Bauwerk beeindruckt wie so viele andere alte in Georgien. Natürlich besteigen wir den Wehrturm, aber die Aussicht von hier oben ist mager, denn die Mauer reicht von der Plattform aus runde 3 m in die Höhe und der einzige Blick nach draußen ist durch die Schießscharten möglich. Die Ausbuchtungen in der Mauer werfen in mir die Frage auf, ob das früher wie in den deutschen Burgen die Aborte waren, wo man im wahrsten Sinne des Wortes dem Feind auf den Kopf sch...en konnte. Ich mache hier allerdings nicht den Selbstversuch und versuche meinen Hintern in die Öffnung zu zwängen. Als wir den Turm hinuntersteigen, frage ich mich, ob Eduard Schewardnadse in den letzten 20 Jahren hier gewesen ist. Die letzte Treppe hätte er bestimmt nicht mehr geschafft. Und der aktuelle Wirtschaftsminister Bendukidse auch nicht.

Der Stausee
Der Stausee

Beim Rückweg an der Mauer hinunter kapituliere ich vor einem neuen Weg, den meine Begleiterinnen zwar laufen können, bei dem ich aber mit Rücksicht auf meine Größe und mein Bauchpolster den Absturz in den Innenhof, mehrere Meter in die Tiefe fürchte. Das ist hier nicht Deutschland und die Eifel, wo der Betreiber horrenden Schadensersatz zahlen müßte und deshalb Geländer angebracht hat.

Aus der Festung heraus gehen wir herunter zum See. Den ganzen Tag hat die Sonne geschienen, dieses in den See ragende Plateau kann man mit dem Auto erreichen, hier gibt es auch einige Boote und man kann Wassersport betreiben. Das Wasser muß warm sein, obwohl es die Farbe typischen Gletscherabriebs hat. Eine sonnenbadende Dame im Bikini deutet mit der Hand an, daß das Wasser im Frühjahr rund 2 Meter höher gestanden und die Gebäude in unserem Rücken unter Wasser gesetzt hat. Die Gebäude, darunter auch eine Kapelle, sehen allerdings schon recht verfallen aus.

Die Festung von Innen
Die Festung von Innen

Am See entlang kommt man einen Gebirgsbach hinauf und wieder nach oben zu der Brücke, über die die Heerstraße verläuft und von der aus man die besten Ansichten der Festung schießen kann. Als ich dort auf dem Seitenstreifen stehe, von dem Teile des Betons bereits verwittert sind, und besonders als ich nach unten und zwischen meinen Füßen den Hang 50 m unter mir sehe, wird mir doch etwas anders. Über diese Brücke schaffen es auch Lkws, die wird nicht am Rande abbröckeln, sage ich mir.

Wieder in der Siedlung, steigen wir den Weg den Berg hoch, bis wir oben den Sonnenuntergang genießen können. Im Gegensatz zu Bakuriani scheint es hier weniger Probleme mit wildem Holzeinschlag zu geben. Baumleichen gibt es hier einige, abgeholzte Bäume suche ich vergebens.

Wir gehen bei einem der Kollegen vorbei, der sich auf dem Bergrücken oberhalb der Siedlung einen kleinen Bauernhof eingerichtet hat. Er geleitet uns durch seine Hunde, einer davon ein deutscher Schäferhund, und zeigt uns die georgische Version des Federweißer. Hier gibt es Wölfe, die draußen laufenden Ziegen und Schweine müssen über Nacht in die Zäune, die Wölfe würden sonst leichte Beute finden.

Natürlich dauert der Aufenthalt länger als geplant, georgische Gastfreundschaft. Wir brauchen die Taschenlampe, um den Weg zu unserem Nachtlager zu finden. Und wir werden kein Opfer der Wölfe.

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Ananuri

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