Reisebericht Georgien 2004
Bullen im PassatBullen im Passat

Nach 2 Jahren Pause treffe ich physikalisch wieder in Georgien ein, nachdem ich Georgien im Internet jeden Tag besucht habe, um aktuelle Nachrichten für unsere Leser ausfindig zu machen.

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Telawi: Bitte Kopf einziehen

Telawi
Zentrum Kachetis. Ihre Ursprünge gehen mehr als 1000 Jahre vor Christus zurück. War Residenz der Kachetinischen Könige. Erhalten geblieben ist die Residenz des Erekle II., die im Zentrum der Stadt steht.

Der Weg nach Telawi ist nicht weit, wir müssen uns in die Innenstadt und zum Denkmal von Erekle II. durchfragen, weil es kaum Schilder gibt. Wir parken oben auf der Festung, zahlen Eintritt, der im Gegensatz zu Uplisziche für alle gleich ist und keinen Aufschlag für Westeuropäer beinhaltet. Diese Residenz ist eins der wenigen Gebäude in Georgien, die alle Kriege und Zerstörungen überlebt habt. Die Architektur weist starke iranische Einflüsse auf, was sich vor allem in der Form der Fenster dokumentiert. Erekle II. war eher kleinwüchsig, was bedeutet, daß ich mich in jedem Türrahmen ducken muß und zu den hölzernen Deckenbalken nur eine Fingerbreit Luft über dem Scheitel bleibt.

König Erekle II. auf dem Pferd
König Erekle II. auf dem Pferd

Die Reiterstatue von Erekle II. selbst zeigt ihn wehrhaft, mit dem Schwert in der Hand, dem wahrscheinlich eine doppelte Bedeutung zukommt, denn es scheint zugleich als Kreuz gegenüber dem Himmel. Gegenüber der Statue erhebt sich ein Hotel aus sowjetischer Zeit, davor ein Denkmal des sozialistischen Realismus in Beton. Wie an kaum einer anderen Stelle Georgiens sieht man auf so kleinen Raum hier in Telawi die verschiedenen Abschnitte der älteren und jüngeren georgischen Geschichte dokumentiert.

Folgt man dem Blick des Pferdes links neben dem Hotel, so kommt man zu einer anderen Sehenswürdigkeit Georgiens. Hier wächst eine mehr als 800 Jahre alte Platane, einer der ältesten Bäume Georgiens und mit einem Umfang von 12 Metern sicherlich auch einer der dicksten. Kalifornier werden jetzt sagen, unsere Mammutbäume sind größer, älter und dicker, aber diese Platane ist hier einzigartig und hat auch den Sozialismus überlebt.

Alte Flaschen im Weinkeller
Alte Flaschen im Weinkeller

Nicht weit von Telawi entfernt befindet sich mit der Akademie Ikalto ein weiteres wichtiges Bauwerk der georgischen Kultur und Geschichte. Neben der Akademie in Gelati ist Ikalto das zweite Bauwerk, das der Lehre und Bildung dienen sollte. Die Stätte ist von der Hauptstraße her ausgeschildert und einfach zu finden. Von den älteren Bauten steht die Kirche heute noch, die meisten anderen sind Ruinen. In der Kirche selber fallen mir etliche Risse in der Dachkonstruktion auf, ich hoffe daß dieses wichtige Stück georgischer Kultur bald renoviert wird.

Wir treten die Rückreise an, fahren aber nicht direkt durch bis Tbilisi, sondern kehren wie jedes Jahr bei einem Bekannten in Sagaredscho ein und genießen eine georgische Tafel. Der Hausherrin gelingt, an diesem Abend ungefähr 90% der gesamten georgischen und vor allem der kachetinischen Küche auf der Tafel darzustellen. Und nach dem fünften Glas Wein höre ich von der Geschichte des Hausherren, der nicht mehr lebt, der aber als Kriegsgefangener im zweiten Weltkrieg in Deutschland war. Am Tag vor meiner Abreise nach Georgien lief auf ARTE eine Dokumentation zweier georgischer Filmemacher über die deutschen Kriegsgefangenen in Georgien, hier höre ich die Geschichte von der anderen Seite. Und auch hier hat der Gefangene das Land, in dem er festgehalten wurde, in guter Erinnerung behalten.

Diese Reise nach Kacheti war nicht nur ein Abstecher in die kulinarische Vielfalt Georgiens. An diesem Tag haben wir auch Geschichte erlebt, nicht nur was vor Jahrhunderten passiert ist, sondern auch die jüngere Vergangenheit, die Georgien und Deutschland miteinander verbindet.

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Telawi

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