Reisebericht Georgien 2009
Wenn die Koffer fliegenWenn die Koffer fliegen

Die Reise beginnt diesmal auf dem Köln-Bonner Flughafen. Als wir vor dem Gate auf die Eröffnung des Fliegers warten, können wir beobachten, wie die Servicetechniker um unsere Boeing 737 herumwuseln.

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Besuch bei Msia und Seswa

Kirche in Dmanissi
Kirche in Dmanissi

Die beiden ältesten Georgier sind Msia und Seswa. Sie lebten vor rund 1,75 Millionen Jahren in Dmanissi. Anfang der 1990er Jahre wurden sie von einem Team internationaler Archäologen entdeckt und ausgegraben. Diese Entdeckung sorgte für Aufruhr in der Wissenschaft. Denn zuvor hatte es keine Belege dafür gegeben, dass schon der Homo Erectus aus der Wiege der Menschheit in Afrika nach Europa und Asien ausgewandert war.

Der Weg nach Dmanissi führt an Rustawi vorbei. Die Stadt war eines der Zentren für Metallverarbeitung in der Sowjetunion. Zudem wurde dort Zement hergestellt. Mittlerweile hat Heidelbergzement das Werk übernommen, kurz bevor das Unternehmen in den Strudel der weltweiten Wirtschaftskrise geriet.
Hinter Rustawi wird die Straße leerer. Wir passieren ein Kraftwerk. Während sich die Landschaft leicht hügelig und steppenartig präsentiert, gehen vom Kraftwerk Wälder von Leitungsmasten aus. Wenn man druntersteht, knistert es vor Spannung. Es schneit nicht. Seit dem Umbruch der Leitungsmasten im Münsterland, der den Bauernhof einer Tante tagelang ohne Strom ließ, habe ich bei Hochspannungsleitungen kein gutes Gefühl mehr.

Wir versuchen uns nach Marneuli durchzuschlagen. Die Straße, die wir wählen, präsentiert sich in dem Zustand, den ich vom Anfang des Jahrzehnts aus Georgien kenne. Unsere japanische Familienlimousine setzt mehrfach auf und macht Geräusche, die ich dem Wagen auf 90.000 km in Deutschland nicht entlockt habe. Wir passieren einige Dörfer, in denen man mit georgisch nicht gut durchkommt, denn die Bewohner sind aserbaidschanischer Herkunft. Man merkt dies auch daran, dass es mehrere Moscheen gibt. Auf der Rückfahrt nehmen wir eine andere Strecke.

Alte Mauern
Alte Mauern

Wir fahren durch Bolnisi, wo wir auf der Rückfahrt leckere Chinkali essen werden. Die Stadt wurde ursprünglich von deuten Aussiedlern als Katharinenfeld  gegründet. Als Relikt dieser deutschen Spuren gibt es eine Brauerei, in der ein recht würziges Bier entsteht. In einem abgelegen Teil des Dorfes gibt es die älteste Kirche Georgiens aus dem 5. Jahrhundert zu sehen, in die ich nicht hinein durfte, weil meine Hose nicht lang genug war. Von außen zu sehen ist eine in Stein gehauene Inschrift. Diese gilt als ältester Fund der altgeorgischen Schrift. Die Kirche selber wurde schon einmal im 17. Jahrhundert renoviert.

Wir schrauben uns durch eine Landschaft nach oben, die nun wieder bewaldet und bergig ist. Dmanissi ist nicht einfach zu finden. Es gibt zwar ein großes Poster mit einem Luftbild der Ausgrabung aus dem Mittelalter, aber Wegweiser sucht man vergebens. Zum Glück kann hier nach dem Weg fragen und bekommt valide Antworten. Erst direkt vor dem Hügel weist ein Schild nach oben.

Menschliche Überreste aus dem Mittelalter
Menschliche Überreste aus dem Mittelalter

Dieser Bergrücken hat zwar keine Siedlungskontinuität, war aber seit dem Zeitpunkt vor 1,75 Millionen Jahren mindestens dreimal bewohnt. Archäologen haben hier nicht nur Msia und Seswa sowie fünf weitere Exemplare des Frühmenschen gefunden, sondern auch an gleicher Stelle eine Siedlung aus der Bronzezeit. Diese Stadt lag an der alten Seidenstraße und wurde von einer Festung geschützt. Zu Beginn der 1980er Jahre stieß man bei Ausgrabungen der mittelalterlichen Stadt auf Funde aus der Bronzezeit und später auf Tierknochen. 1991 entdeckte man Fragmente menschlicher Schädel. 1999 kam dann nach einem Regenguss die Schädelkalotte des ersten Menschen zum Vorschein.

Die Einordnung des Dmanisi-Hominiden beschäftigt seitdem die Wissenschaft. Zuerst wurden die Funde als Homo Erectus eingeordnet. Dagegen sprach das Gehirn, dass für einen solchen zu klein war, und das Fehlen höher entwickelter Werkzeug. Später wurde der Begriff Homo Georgicus geprägt. Im Jahr 2008 setzte sich der Begriff Dmanisi-Hominid durch und erfolgte wieder die Einordnung als Homo Erectus.

Reste der Festung
Reste der Festung

Ich habe ja meine eigene Theorie zu den frühesten Georgiern. Zum einen nehme ich an, dass die beiden ersten Georgier in Dmanissi den aufrechten Gang erfunden haben, weil man an einer georgischen Tafel steht. Daher erst der Name Homo Erectus. Und zum anderen nehme ich an, dass beide so eindrucksvoll den ersten georgischen Wein getrunken haben, dass sie gleich daran gestorben sind. Aber das ist wissenschaftlich nicht belegt. Eine Untersuchung französischer Wissenschaftler an den umgebenden Erdschichten aus dem Jahre 2008 kommt hingegen zu der Ansicht, dass es sich bei den mittlerweile 7 Toten um eine Familie gehandelt habe, die von einem Vulkanausbruch überrascht und von vulkanischer Asche zugedeckt wurde.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs wird gerade letzte Hand an den Bau eines Museums angelegt, das die Fundstelle der Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Bilder können wir hier nicht machen. Hoffentlich denken die Erbauer bei der Eröffnung auch an zwei oder drei Hinweisschilder, wir haben mehrere Minuten nach der Fundstelle gesucht. Msia und Seswa sucht man hier vergebens. Sie waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs gerade in Frankreich unterwegs. Etwas jüngeren Datums ist das Skelett einer Frau, die am Fundort belassen wurde. Sie wurde in der Lotos-Stellung beigesetzt, Grabbeigaben fand man bei ihr nicht.

Die mittelalterliche Festung ist bereits begehbar. Von den Mauern aus hat man einen hervorragenden Ausblick über das landschaftlich sehr schön gelegene Tal. Die Kirche direkt nebenan wird gerade renoviert. Bei den Arbeiten daran stieß man auf mehrere Skelette, die wissenschaftlich noch nicht bearbeitet worden sind. Die Kirche selber bekommt gerade ein neues Dach.

Dieser Fundort ist mittlerweile in zahlreichen Dokumentationen zur Frühgeschichte der Menschheit zu sehen. Wenn man in Georgien ist, sollte man Dmanissi besuchen.

Weiter: Das unvollendete Monument

Dmanissi

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Am 28. März 2017 ist die vom Ministerrat der EU zu Beginn des Monats verabschiedete Visafreiheit für georgische Staatsbürger in Kraft getreten. Damit können Reisende aus Georgien nun für einen Zeitraum von 90 Tagen in die EU einreisen, ohne ein Visum beantragen zu müssen.

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