Städte und Regionen in Georgien

Tbilissi - Die Neustadt

Das Rathaus in Tbilissi

Das Areal des historischen Tbilissi endete entlang der Barataschwilistraße und dem heutigen Platz der Freiheit. Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hatten ein chaotisches Durcheinander an Neubauten, Abrissen und Stilformen zur Folge. Das endete, als General-Feldmarschall Woronzow versuchte, Ordnung in dieses Durcheinander zu bringen. Er gründete ein Städtisches Komitee, das Tbilissi nach westeuropäischen Muster in eine Großstadt verwandeln sollte. Es war seine Absicht, die Stadt nach dem russischen Klassizismus zu umrahmen. Doch es kam nicht so, wie er es wollte. Er hat zwar seine Spuren hinterlassen, aber Tbilissi wuchs nach seinen eigenen Gesetzen.

Auf dem Platz der Freiheit steht das Rathaus, das im Jahre 1880 nach einem Projekt des deutschen Architekten Peter Stern errichtet wurde.

In dem Eckhaus hinter dem Puschkin-Park befindet sich das Staatliche Georgische Kunstmuseum. Die Kollektion umfaßt Arbeiten georgischer und nichtgeorgischer Künstler vom 9. bis zum 20. Jahrhundert. Die wertvollsten Stücke werden in der sogenannten Schatzkammer im Erdgeschoß aufbewahrt, die oft vor den zahlreichen Eroberern in Sicherheit gebracht werden mußten.

Die Gemäldesammlung ist in den zwei Obergeschossen untergebracht. Die georgische Kunst ist getrennt von der ausländischen. Einigen Künstlern sind spezielle Räume gewidmet, wie z. B. dem Maler Niko Pirosmani, dessen Kollektion der Stolz des Museums ist.

DerRustaweliprospekt ist heute wie vor hundert Jahren die wichtigste Verkehrsader der Stadt und mit seinen Cafés und Restaurants die beliebteste Flanierstraße Tbilissis. Die meisten der Gebäude stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die Ausnahme ist des Kaufhaus , wenige Schritte vom Platz der Freiheit. Links befindet sich das von Woronzow gegründete Russische Gribojedow-Theater.

Der Palast der Jugendlichen ist die ehemalige Residenz der russischen Statthalter im Kaukasus. Das Gebäude erhielt im Jahre 1865 bis 1868 eine neue Fassade im Stil der italienischen Renaissance. Es ist von innen mit Marmortreppen, wunderschönen Parkettböden und venezianischen Kronleuchtern ausgestattet.

Ein weiteres Museum, das sich auf dem Rustaweli-Prospekt befindet, ist das Dschanaschia-Museum mit seiner archäologischen und ethnographischen Sammlung. Das Museum beherbergt kostbare Funde aus vorchristlicher, byzantinischer und römischer Zeit sowie aus der Zeit der ersten georgischen Königreiche. Unter den Exponaten befinden sich Gegenstände der Alltagskultur, kunstgewerbliche Schöpfungen von den Frühzeit bis zur Gegenwart, eine Kleider- und Waffensammlung sowie eine kostbare Kollektion von Münzen.

Hinter der schmalen Gasse des 9. April beginnt der sowjetische Monumentbau des Regierungspalastes. Das Gebäude daneben ist eines der ältesten Gymnasien der Stadt. Gegründet wurde es Anfang des 19. Jahrhunderts für die Kinder der georgischen und russischen Aristokratie. Vor dem Gymnasium steht das Denkmal der georgischen Denker Ilia Tschawtschawadse und Akaki Zereteli.

Der Park gegenüber dem Gymnasium nennt man Alexandergarten. Die Kirche, die den Park zum Rustaweliprospekt hin begrenzt, ist die Kaschweti-Kirche, die den Namen des Heiligen Giorgi trägt. Erbaut wurde sie in den Jahren von 1904 bis 1906 als Kopie der in der Nähe von Mzcheta gelegenen Bischofskathedrale Samtawissi. Bemerkenswert ist, daß hier Gottesdienste auf zwei Etagen in zwei Sprachen, in Georgisch und in Russisch abgehalten werden.

Das Nachbarhaus ist das Schota-Rustaweli-Theater, das früher der Künstlergesellschaft gehörte. Das im Keller gelegene Café war der Treffpunkt der Maler und Dichter. Dieses Café nannten sie "Kimerioni" und gründeten einen Verein der "Blauen Trinkhörner."

Einige Schritte weiter befindet sich das Paliaschwili-Theater für Oper und Ballett, das in den Jahren von 1880 bis 1896 gebaut wurde. Das vorher dort stehende Gebäude brannte in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ab. Es gilt als einer der schönsten Bauten der Stadt.

Noch ein Stück weiter erhebt sich das Hotel "Iweria", das heute mit den Flüchtlingen aus Abchasien belegt ist. Der steinerne Mann vor dem Hotel ist Dawit der Erbauer. Der Platz der Republik stammt aus den sowjetischen Zeiten. Auf ihn fanden Demonstrationen statt, wie z. B. anläßlich des 1. Mai.

Das Herz des Rustaweliprospektes ist der Rustaweli-Platz mit dem Denkmal des Dichters, wo sich auch die U-bahn-Station befindet. Die Bebauung des Rustaweliprospektes war im wesentlichen am Ende des 19. Jahrhunderts abgeschlossen. Die Verlängerung des Rustaweli-Prospekts über den Rustaweliplatz hinaus ist die Kostawastraße, über die man nach einigen hundert Metern zum Gebäude der Philharmonie gelangt. Gegenüber dem Gebäude befindet sich ein Park, der sich bis zum Mtkwari-Ufer erstreckt.

Vom Rustaweliplatz gelangt man über verschiedene Verkehrsadern in die Stadtviertel, die meist im 20. Jahrhundert entstanden sind. Von der Philharmonie weiter gelangt man auf den Tschawtschawadse-Prospekt, an dem sich die Staatliche Universität Tbilissi befindet. Sie wurde im Jahre 1918 von den georgischen Wissenschaftlern gegründet, an deren Spitze Iwane Dshawachischwili stand, dessen Namen die Universität heute trägt.

Über den Tschawtschawadse-Prospekt gelangt man zum "Park des Sieges" am Nordhang des Mtazminda. Hier befindet sich das "Freilichtmuseum" - eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten des 20. Jahrhunderts. Dieses Museum im Park besteht aus den Wohnhäusern aller georgischer Provinzen, in denen Haushaltswaren, Kleidungsstücke, Musikinstrumente etc. eine Vorstellung vom alltäglichen Leben der Georgier über die Jahrhunderte hinweg geben. Über eine Hängebrücke gelangt man zu einem Badesee im Park, was die Gegend zu einem Ausflugs- und Erholungsort in der Nähe der Stadt macht.

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