Ära Gamsachurdia

Der Schriftsteller Swiad Gamsachurdia wurde am 26. Mai 1991, dem Tag der Unabhängigkeit in Georgien, zum ersten Präsidenten Georgiens. Er erhielt 86% der abgegebenen Stimmen. Gamsachurdia etablierte sich schnell als autoritär regierender Politiker, der Georgien in den folgenden Monaten in einen Bürgerkrieg stürzte. 

Gamsachurdia verfolgte weder in der Innenpolitik noch in der Außenpolitik eine klare Linie, sondern regierte eher sprunghaft. Zum mächtigen Nachbarn Russland schlug er einen Kurs der Konfrontation ein. Innenpolitisch ließ Gamsachurdia sich mit weitgehend diktatorischen Vollmachten ausstatten. Führer der Opposition ließ er verhaften. Sein Verhalten führte dazu, dass sich Nationalisten und Reformisten zu einer Koalition gegen Gamsachurdia zusammenschlossen. 

Militärputsch

Als verschärfend kam hinzu, dass es paramilitärische Gruppen in Georgien gab, deren Macht stetig wuchs. Paramilitärische Gruppen und Teile der Nationalgarde unter der Führung von Tengis Kitowani und Dschaba Iosseliani starteten am 22. Dezember 1991 einen Militärputsch, der von Russland unterstützt wurde. Sie stürmten die Innenstadt von Tbilissi und belagerten die Präsidialgarde mit Gamsachurdia im Parlamentsgebäude in der Innenstadt von Tbilissi. Bei den anschließenden Kämpfen gab es zahlreiche Opfer. Während offizielle Quellen von 100 bis 1.000 Todesopfern sprechen, gehen Schätzungen von rund 2.000 Todesopfern des von Russland unterstützten Militärputsches in Georgien aus. An einigen Gebäuden des Rustaweli-Prospekts in Tbilissi sind auch im 21. Jahrhundert noch Einschlusslöcher als Erinnerung an die Kampfhandlungen Ende 1991 zu sehen. 

Gamsachurdia selbst konnte entkommen und setzte sich mit seiner Familie ins Ausland ab. Er flüchtete zuerst nach Armenien, dann nach Sochumi und schließlich nach Grosny in Tschetschenien. 

Thomas Berscheid ⧉ 21.07.2017
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