Georgischer Wein im Wandel der Zeit

Wein und Wirtschaft

In der Zeit der Sowjetunion war Georgien das Land im Staatenbund, aus dem die Zitrusfrüchte und der Wein kamen. Dieser Wein war oft sehr süß und wurde vor allem für den russischen Markt produziert. 

Mit dem Ende der Sowjetunion und der einsetzenden wirtschaftlichen Krise der davon betroffenen Staaten ging auch der Weinanbau in Georgien zurück. In den letzten Jahren der Sowjetunion wurden pro Jahr rund 800.000 Tonnen Weintrauben geerntet. Nach der Auflösung der UdSSR waren es nur noch 100.000 Tonnen. Hinzu kam die Anti-Alkohol-Politik von Michail Gorbatschow, die den Absatz des Georgischen Weines in Russland in den Keller trieb. 

Embargo aus Russland

Mit dem Beginn der Auseinandersetzungen zwischen den Präsidenten Saakaschwili und Putin begann im Jahr 2006 ein russisches Embargo für georgische Produkte, von dem auch der georgische Wein betroffen war. Dieses politisch motivierte und mit plötzlich aufgetauchten „gesundheitlichen“ Problemen des Weines gerechtfertigte Embargo Russlands führte zu einer weiteren Krise der georgischen Weinhersteller. Mittlerweile ist das Embargo zwar gelockert, aber die früheren Massen des Weins exportiert Georgien nicht mehr nach Russland. Dafür gibt es massive Fälschungen auf dem russischen Markt.

Ausrichtung auf den westlichen Geschmack

Viele Weinhersteller in Georgien haben den Wegfall des östlichen Marktes mit einer Ausrichtung auf westlichen Geschmack beantwortet. Seit den 1990er Jahren werden nun nicht mehr vor allem süßliche Weine hergestellt, sondern der Wein wird ähnlich ausgebaut wie bei französischen oder italienischen Herstellern. Für den europäischen Markt gibt es mittlerweile eine Reihe trockener Weine. 

Dabei kommen auch moderne Verfahren zum Einsatz. Traditionell wird der georgische Wein im Kwewri hergestellt, einem in die Erde eingelassenen Tongefäß. Mehr dazu im Kapitel Verarbeitung. Neben dieser traditionellen Art sind Hersteller aber auch in den letzten Jahren dazu übergegangen, Weine nach modernen Verfahren in Stahlgefäßen reifen zu lassen. Seit den 1990er Jahren haben mehrere Keltereien massiv in moderne Methoden der Weinherstellung investiert. Dabei hat sich die Ausrichtung vom Massenmarkt auf qualitativ hochwertige Produkte verlagert.

Auch die Präsentation des Weins hat sich mit den Jahren professionalisiert. Wer einmal durch die Innenstadt von Tbilisi geschlendert ist oder sich im zollfreien Bereich des Flughafens TBS umgesehen hat, wird feststellen, dass sich das Angebot der Ware nicht mehr von exzellenten Verkaufsangeboten hochpreisigen Weines aus dem südlichen Europa unterscheidet. 

Zudem gibt es seit wenigen Jahren die Möglichkeit, Weine in einem Labor in Tbilisi für den Export in die EU zertifizieren zu lassen. Damit steht der Export in die EU offen. Mehrere Weinhändler im Internet bieten Weine aus Georgien im Versand an. 

Thomas Berscheid ⧉ 17.08.2018
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