Wascha-Pschawela

Der Schriftsteller Wascha-Pschawela (georgisch ვაჟა-ფშაველა) wurde am 14. Juli 1861 als Luka (Pawlowitsch) Rasikaschwili in Tschargali geboren. Georgien war damals Teil des russischen Zarenreichs. Wascha-Pschawela wurde zu einem der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit in Georgien und einer der Protagonisten der georgischen Nationalbewegung. Er starb am 27. Juni 1915 in Tbilissi. Das Pseudonym Wascha-Pschawela (deutsch: pschawischer Junge) nahm Rasikaschwili im Verlauf seiner schriftstellerischen Tätigkeit an.

Geboren in Provinz Pschawi

Luka Rasikaschwili war als eines von fünf Kindern, auch einer seiner Brüder wurde zu einem Schriftsteller. Die Kinder kamen im Gebirgsdorf Tschargali in der Provinz Pschawi, die im Norden Georgiens liegt, zur Welt. Über seinen Vater sagte er später, dass dieser mit dem Talent gesegnet war, Schreiben und Reden zu können, zudem sei er immer sehr neugierig gewesen. Der Vater war Priester und Autodidakt, was Lesen und Schreiben angeht. Er war auch ein Gegner der Russifizierung Georgiens. Dafür erzählte er seinen Kindern aus der georgischen Geschichte wie von König David der Erbauer. Von seiner Mutter lernte Luka die Volksdichtung aus der Region kennen. Sie konnte zwar weder Lesen noch schreiben, habe aber über einen reichhaltigen Schatz an Gedichten verfügt, die aus auswendig konnte.

Schullaufbahn

Luka Rasikaschwili begann seine Schullaufbahn an der geistlichen Lehranstalt in Telawi. Diese Zeit beschreiben Chronisten später als eine Zeit des Leidens. Mit dem Lehrstoff sei der junge Luka nicht zufrieden gewesen, denn dieser habe seine Neugier nicht befriedigt. Ausgleich suchte Luka dafür im Sport, dabei tat er sich als Ringer hervor. Im Jahr 1877 wechselte Luka ins Lehrer Institut nach Tbilissi, wo er bis 1879 blieb. 

Studienzeit

Seine Laufbahn als Student begann Luka Rasikaschwili am pädagogischen Seminar in Gori 1879, wo er bis 1882 blieb. Er wechselte in Ermangelung einer Universität im Kaukasus nach St. Petersburg und studierte als Gasthörer Jura. Nach zwei Jahren in Russland ging ihm jedoch das Geld aus und er kehrte zurück nach Georgien.

Das Studium in Russland brachte Luka in Kontakt mit anderen Intellektuellen aus Georgien. Er legte sich hier bereits mehrere Pseudonyme zu, eines davon war „Wascha“. Bei den privaten Zusammenkünften seien die anderen Teilnehmer überrascht gewesen, wie viele georgische Gedichte Luka rezitieren konnte. 
Mit Studenten habe er seinerzeit Billard gespielt mit der Vereinbarung, dass der Verlierer das Abendessen für alle zahlen sollte. Es habe sich herausgestellt, dass keiner der Studenten über Geld verfügt habe. So sei es dann mehrfach zu Schlägereien gekommen, aus denen Luka allesamt ungeschlagen als Sieger hervorgegangen sei.

Mehrere Jahre als Lehrer

Nach dem Ende des Studiums arbeitete Wascha ab 1884 als Privatlehrer und ab 1887 später als Dorflehrer in Didi Toneti. Dabei verdiente er 300 Rubel im Jahr. Diese Tätigkeit brachte ihm allerdings Ärger mit den Behörden ein. Er wurde vom Gouverneur der Region drangsaliert und mit erfundenen Vorwürfen überzogen. Als Konsequenz quittierte Wascha den Dienst in der Schule.

Schreibender Bauer im Kaukasus

Ab 1888 arbeitete Wascha als Bauer im Kaukasus, hütete das Vieh und bestellte sein Land. Den harten Winter im georgischen Hochgebirge nutzte er zum Schreiben von Gedichten.

Werke von Wascha-Pschawela

Wascha-Pschawela schrieb Romane und Gedichte, die sich durch ihren regionalen Bezug auszeichnen. Hier sticht vor allem die Region Chewsureti hervor. Wie in vielen Bergregionen der Welt hatten sich auch dort alte Verhaltensweisen, Brauchtum und Gesellschaftsstrukturen erhalten. Ein Motiv des Werks von Wascha-Pschawela ist der Konflikt zwischen den alten Strukturen und den neuen Lebensformen sowie einem gesellschaftlichen Umbruch – Themen, wie sie auch im 21. Jahrhundert modern sind. Das Werk Wascha-Pschawelas zeichnet sich zudem durch seine Naturverbundenheit aus, was vor allem in seinen Beschreibung der Natur zum Vorschein kommt. 

Die Werke von Wascha-Pschawela wurden in mehr als 20 Sprachen übertragen. Seine wichtigsten Werken sind die Romane Aluda Ketelauri, Bachtrioni, Gogotur und Apschina, Gastgeber und Gast, Der Schlangenesser, Eteri und Mindia.

Schicksalsschläge

Die folgenden Jahre hielten einige Schicksalsschläge für Wascha bereit. 1890 verlor er innerhalb eines Monats seine Eltern: Seine Mutter war gerade 56, sein Vater 59 Jahre alt. 1892, als Wascha gerade 30 Jahre alt war, zog er sich eine Krankheit in seinem linken Auge zu, die ihn Zeit seines Lebens beeinträchtigen sollte. 1902 verstarb seine Frau, erst 36 Jahre alt, bei der Geburt ihres fünften Kindes. Schon bald nahm eine neue Ehefrau ihren Platz ein und sorgte für weitere Kinder. Wascha sorgte dafür, dass die Familie von seiner Arbeit als Bauer leben konnte, pflügte, säte, erntete und ging auf die Jagd. Es gab Streit mit seinen Geschwistern um die neue Familie, was Wascha aber zu seinen Gunsten entscheiden konnte.

Früher Tod

Die anstrengende Arbeit auf dem Feld und das schriftstellerische Schaffen verlangten ihren Tribut von Wascha: Er hatte die letzten Lebensjahre mit Krankheiten zu kämpfen, und das bereits in jungen Jahren. Im Mai 1915 diagnostizierte ein Arzt bei ihm eine Lungenentzündung. Er kämpfte mehrere Wochen gegen die Krankheit, bis er am 27. Juli starb. Die Nachricht seines Todes verbreitete sich am gleichen Abend in Windeseile in Tbilissi. Er wurde auf dem Didube Pantheon begraben. 20 Jahre nach seinem Tot wurden seine sterblichen Überreste umgebettet und auf dem Mtatsminda Pantheon bestattet, neben anderen Schriftstellern und berühmten Persönlichkeiten der georgischen Geschichte.

Inspiration für andere Medien

Auch Jahrzehnte nach seinem Tod zählte Wascha zu den bekanntesten Schriftstellern in Georgien. 

  • Der Komponist Otar Taktakischwili schuf 1955 sieben Romanzen. 1960/61 komponierte er die Oper „Mindia“ nach einer lyrischen Vorlage von Wascha-Pschawela. 
  • Der bekannte georgische Regisseur Tengis Abuladse drehte 1967 den Film „Molba“ (deutsch: „Das Gebet“), der auf zwei Gedichten Wascha-Pschawelas basiert. 
  • In den Jahren 1974 und 1984 verfilmte man seine Erzählungen „Iwane Kotoraschwili“ und „Kein Leid ohne Freud“.

Sein Sohn Lewan Rasikaschwili beteiligte sich im August 1924 an den Aufständen gegen die Besetzung Georgiens durch die Sowjets. Er kam dabei im Alter von 29 Jahren ums Leben.

In Tschargali zeigt ein Museum sein Geburtshaus und dokumentiert die Arbeit des Schriftstellers.


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