Das andere Ufer - Gagma napiri

Georgischer Film von Giorgi Owaschwili

Tedo ist 12 Jahre alt. Ein schönes Alter, in dem man den Übergang vom Kind zum Erwachsenenalter vollzieht und mit der Pubertät beginnt. Geprägt von Spielen, Freizeit, Schule, Herumalbern, Freunden, vielleicht der ersten Liebe... Nicht jedoch für Tedo. 

Der Junge trägt ein Trauma mit sich herum. Als er 4 Jahre alt war, begann der Bürgerkrieg in der abtrünnigen Teilrepublik Abchasien in Georgien. Er musste fliehen, mit ihm aber nicht die gesamte Familie. Das Herz seines Vaters war zu schwach, als dass er die Flucht hätte mitmachen können.

Ein paar Jahre sind seit der Flucht auf der Heimat in einem Teil Georgiens vergangen, Tedo arbeitet inzwischen als Auszubildender in einer Autowerkstatt, seine Mutter als Verkäuferin. Viel Hoffnung darauf, dass sich das Leben bessern werde, haben beide nicht. Tedo fühlt sich für seiner Familie verantwortlich, gibt das wenige Geld, das er in der Werkstatt verdient, seiner Mutter. 

Dann entdeckt er, dass sie einen Liebhaber hat. Nun fasst Tedo den Entschluss, in seine Heimat nach Abchasien zurückzukehren und seinen Vater zu suchen. Tedo reist per Anhalter, die Hoffnung auf die Lösung all seiner Probleme, wenn er erst in der Heimat ist, reist mit ihm. Doch je näher er seinem Ziel kommt, desto mehr merkt er, dass es auch in der Ferne nicht besser wird...

„Das andere Ufer“, englisch „The Other Bank“, georgisch „Gagma napiri“, war bei seinem Kinostart der erste abendfüllende Spielfilm des Regisseurs George Ovashvili. Keine einfache Kost, ein Film, bei dem man um den kleinen Jungen zittert und mit ihm leidet. Owaschwili zeigt Georgien in Bildern, die nachwirken. Es sind keine geschönten Bilder, eine Autowerkstatt sieht aus wie eine Autowerkstatt. Ein Leben in Armut stellt er so dar, wie es sich anfühlt. 

Ovashvili, 1963 geboren, ist einer der Regisseure und Autoren, die den georgischen Film in den vergangenen Jahren in eine neue Richtung gebracht haben. Wie auch andere Autoren zeigte er das Georgien der Gegenwart, zeigt keine märchenhaften Stoffe mit Glanzbildern, sondern die ungeschönte Wahrheit, wie man sie findet, wenn man Tbilissi abseits der Touristenpfade erlebt. Und er zeigt Einblicke in die Seelenwelt von Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind.

Nach „Das andere Ufer“ hat Ovashvili sich auch in seinem nächsten Film „Die Maisinsel“ mit den Konflikten in Georgien beschäftigt. 

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