Die Heilige Nino: Anfang des Christentums in Georgien

Die Heilige Nino gilt eine der wichtigsten Personen in der christlichen Geschichte in Georgien. Sie wird als Schutzheilige verehrt. Welchen Stellenwert die Heilige Nino auch mehr als 1.500 Jahre nach ihrem Tod in Georgien hat, zeigt sich nicht nur an mehreren Kirchenbauten, die auf sie zurückgehen oder die ihrer Verehrung gewidmet sind. In ihrem Angedenken ist Nino auch heute noch einer der beliebtesten Vornamen für Frauen in Georgien. Ihr Symbol ist ein aus Weinreben geflochtenes Kreuz. 

Geboren wurde die Heilige Nino um das Jahr 300 herum. Gestorben ist sie 361 bei Bodbe. Im dortigen Kloster befindet sich auch ihr Grab. 

Überlieferungen zu Ninos Herkunft

Zur Herkunft der Heiligen Nino gibt es mehrere Überlieferungen, wobei sich die römisch-katholische und die georgisch-orthodoxe Kirche in ihren Aussagen unterscheiden. Einige Quellen sehen sie als Tochter einer griechisch sprechenden römischen Familie aus Kolastra in Kappadokien. Ihr Vater sei ein römischer General gewesen, sie selber das einzige Kind der Familie. Sie sei über ihren Vater eine Verwandte des Heiligen Georg gewesen, des Namenspatrons Georgiens. Über ihre Mutter habe es eine Verwandtschaftsbeziehung zum Patriarchen Jerusalems gegeben. Andere Quellen sehen ihre geographische Abstammung in Rom, Jerusalem oder Gallien verortet. Als Taufname der Heiligen Nino wird Christiana angeben, weswegen sie auch auch als Christiana bzw. Christiane von Georgien verehrt wird. 

In jungen Jahren sei Nino aus Konstantinopel ins Königreich Iberien gekommen, das heute einen Teil des östlichen Georgien bildet. Manche Quellen berichten, dass sie vor der Sklaverei geflohen sei. 

Im Kindesalter übernahm Ninos Erziehung die Nonne Niofora-Sarah aus Bethlehem. Ihr Onkel, der Patriarch Jerusalems, habe darüber gewacht, dass sie im traditionellen Sinn erzogen werde. Mit seiner Hilfe sei sie nach Rom gegangen. 

Erscheinung der Jungfrau Maria

Im Rom habe Nino nach der Überlieferung eine Vision empfangen. Ihr sei die Jungfrau Maria erschienen, die ihr ein Kreuz aus Weinreben übergeben habe. Maria habe sie dann aufgefordert, nach Iberien zu gehen und dort die Frohe Botschaft vom Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Dabei solle das Kreuz ihr die Stärke dazu geben. 

Der Sklaverei entgangen

Über den weiteren Weg der Heiligen Nino gibt es ebenfalls unterschiedliche Überlieferungen. 

Nach der Überlieferung der georgisch-orthodoxen Kirche führte der Weg Ninos ins Königreich Armenien. Dort gehörte sie einer Gemeinschaft von Jungfrauen an, die zusammen mit dem Märtyrer Hripsime unter der Führung des Heiligen Gayane das Christentum in Armenien predigten. Dieser Gemeinschaft gehörten weitere 35 Jungfrauen an. Der armenische König Tiridates III. ließ alle Mitglieder der Gemeinschaft foltern und köpfen, nur Nino entging der Verfolgung. Später wurden sämtliche Mitglieder der Gemeinschaft, darunter auch Nino, von der armenisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen. 

Nach Überlieferung der römisch-katholischen Kirche hingegen sei Nino nicht freiwillig nach Iberien gereist, sondern als Sklavin dorthin gebracht worden. Zudem sei ihre Herkunft nicht geklärt.

Nino missioniert in Iberien

Ab dem Jahr 320 erreichte Nino das Territorium des heutigen Georgien, damals das Königreich Iberien. In Achalkalaki im Süden Georgiens errichtete sie ein Kreuz. In Urbnisi predigte sie den christlichen Glauben. Schließlich erreichte sie Mzcheta, seinerzeit die Hauptstadt des iberischen Königreichs. 

Zu diesem Zeitpunkt stand das Königreich Iberien unter der Herrschaft von König Mirian III. und dessen Frau, Königin Nana. Das Königreich stand unter dem Einfluss des benachbarten persischen Reichs. Man verehrte die synkretischen Götter Armasi und Saden. 

Nino bekehrt Königin und König zum Christentum

Hier begann nun das Werk, für das Nino heute noch in Georgien verehrt wird. Der Legende nach war Königin Nana schwer krank. Zu dieser Zeit nach trug man ein schwer krankes Kind auf der Suche nach Heilung durch die Straßen in der Stadt, wie es seinerzeit üblich war. Nino gelang es, das Kind von der Krankheit zu befreien, was als Wunderheilung aufgefasst wurde. Königin Nana ließ nach Nino schicken und gewährte ihr eine Audienz. Tatsächlich gelang es Nino, die Königin zu heilen. Nana hatte bereits zuvor etwas Kenntnis der christlichen Religion und trat zum Christentum über, dabei ließ sie sich von Nino taufen. 

König Mirian war von der Konversion seiner Ehegattin nicht erfreut, verfolgte seinerseits Christen und drohte damit, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Die wachsende Anhängerschaft des Christentums in seinem Herrschaftsbereich behagte ihm nicht. 

Der Umschwung kam nach der Überlieferung bei einer Jagd. Der Legende nach wurde König Mirian im Jahr 322 bei einem Jagdausflug plötzlich blind und verirrte sich in der Dunkelheit eines Waldes. In seiner Verzweiflung betete er den Gott seiner Frau an und bat darum, ihn aus seiner Finsternis zu befreien. Als er das Gebet beendet habe, sei ihm ein Licht erschienen, das ihm den Weg nach Mzcheta zurück wies. Nach diesem beeindruckenden Erlebnis gab auch der König seinen Widerstand auf und ließ sich christlich taufen. 

Christentum wird Staatsreligion in Iberien

Im Jahr 337, nach abweichenden Angaben schon im Jahr 326, erhob König Mirian das Christentum zur Staatsreligion im Königreich Iberien. Er entsandte einen Botschafter nach Byzanz, der Kaiser Konstantin I. darum bitten sollte, einen Bischof und mehrere Priester nach Iberien zu schicken. Konstantin hatte von der Bekehrung Miriams erfahren und schickte mehrere Bischöfe nach Georgien. Zudem sicherte er der neuen Kirche Land in Jerusalem zu. 

Bereits im Jahr 334 gab König Mirian den Bau einer Kirche in Mzcheta in Auftrag, die 379 vollendet wurde. Ihr Standort befand sich dort, wo sich heute die Swetizchoweli-Kathedrale in Mzcheta erhebt.

Ninos weiteres Leben

In den folgenden Jahren lebte Nino als Einsiedlerin. Auch hier geben die Quellen unterschiedliche Standorte an, so soll sie nahe einem kappadokischen Kloster oder im Kaspischen Gebirge gelebt haben. Im Jahr 361 war sie auf der Rückreise von Tuscheti zu ihrem Wohnort und erkrankte schwer.

Kloster Bodbe

Nino starb 361 in der Nähe von Bodbe und wurde dort begraben. Über ihrem Grab ließ König Mirian eine Kirche errichten, später gründete man dort das georgisch-orthodoxe Kloster Ninozminda. 

Im Kloster Bodbe lebt heute der Nonnenkonvent des heiligen Georg. Am Kloster liegt die Quelle der Heiligen Nino, einer der heiligsten Plätze in Georgien. Dem Wasser schreibt man Heilkräfte zu, zudem gilt die Quelle als beliebter Ort zur Taufe. 

Ninos Weinrebenkreuz

Nach Überlieferung der georgisch-orthodoxen Kirche soll Nino bei ihrer Marienerscheinung von der Jungfrau Maria ein Kreuz aus Weinreben erhalten haben. Überliefert ist, dass Nino Zeit stets ein Weinrebenkreuz bei sich trug, dass aus zwei gekreuzten Ästen von Weinreben besteht, die sie mit ihrem eigenen Haar zusammengebunden hat. Dieses Kreuz soll sie Zeit ihres Lebens bei sich getragen haben. 

Dieses Kreuz ist heute wichtiges Symbol der georgischen Orthodoxie. Von den Kreuzen der westlichen Kirche unterscheidet es sich durch die beiden herabhängenden Arme des Querbalkens, teilweise wird dieser auch gebogen dargestellt. Diese Darstellung des Weinrebenkreuzes ist erst seit der frühen Neuzeit auf Ikonen verbreitet. 

Heute gilt das Weinrebenkreuz der Heiligen Nino als wichtige Reliquie der georgisch-orthodoxen Kirche. Über mehrere Jahrhunderte bewahrte man das Kreuz in Mzcheta in der Swetizchoweli-Kathedrale auf. Zum Schutz vor Eroberern verbrachte man das Kreuz in die Sameba-Kirche (Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit) in Gergeti an der Georgischen Heerstraße. Von dort sollen es persische Eroberer nach Armenien verbracht haben, später gelangte es nach Moskau. Als der russische Zar Alexander I. im Jahr 1801 Georgien annektierte, gab er Ninos Weinrebenkreuz an das Gouvernement Tbilissi. Heute befindet sich das Kreuz in Tbilissi in der Sioni-Kathedrale.

Geschichtliche Überlieferung

Nach ihrem Tod geriet Ninos Leben und Wirken nicht in Vergessenheit. Tyrannius Rufinus von Aquileia erwähnte Nino erstmals im Jahr 403, er hatte ihre Lebensgeschichte im Jahr 395 vom georgischen Prinzen Bakur erfahren. Allerdings erwähnte dieser den Namen Nino nicht, sondern berichtete von einer namenlosen Frau, die als Gefangene nach Georgien gekommen sei. 

Der Name Nino taucht erstmals in einer Sammlung von Manuskripten im Kloster Schatberdi auf, das heute in der Türkei liegt. Diese Schriften sind in der Zeit zwischen 960 und 970 entstanden. 

Feiertage und Verehrung

Die georgisch-orthodoxe Kirche hat zwei Feiertage zu Ehren der Heiligen Nino, den 14. Januar und den 27. Oktober. Die katholische Kirche hat ihr den 15. Dezember gewidmet. In der armenisch-apostolischen Kirche feiert man den 29. Oktober zu Ehren der Heiligen Nino. 
Der aus Georgien stammende Bildhauer Surab Zereteli hat der Heiligen Nino 1994 ein Denkmal im Auftrag des georgischen Staates errichtet. 

Nino ist in Georgien bis heute einer der beliebtesten Vornamen für Mädchen.

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