Meßcheti

Der historisch größte Teil Meßchetis, der alte Name für das gesamte südwestliche Georgien, ist heute Teil der Türkei. Viele interessante georgische Kirchen und Mönchsklöster kann man heute noch in der Osttürkei besichtigen.

Vor der türkischen Besatzung wäre die Machthaber dieser Region, der Jakeli-Clan, mächtig genug, beträchtlichen Einfluß auf die georgische Politik und sogar ihre eigene Außenpolitik auszuüben. Zum Beispiel verhandelte 1266 der Herzog Sargis Jakeli mit dem eindringenden Mongolen und erreichte einen Friedensschluß in Samzche. Damit verlor er aber auch den Einfluß über das übrige Georgien. Unter der osmanischen Besatzung litt das Gebiet mehr als andere. Nichtmoslems mußten eine Sondersteuer bezahlen. Um die Steuer und andere Repressalien der moslemischen Besatzer zu vermeiden, konvertierten viele Georgier zum Islam.

Nach dem russisch-türkischen Krieg von 1828-29 wurde ein Teil von Meßcheti wieder Georgien angegliedert. Georgien selber war nun Teil des russischen Reiches. Als Folge wurde viele der moslemischen Bewohner in die Türkei deportiert. Dies führte dazu, daß die Hauptstadt der Region Dshawacheti Achalkalaki fast menschenleer war. Daher lud man Armenier ein, sich in den leerstehenden Häusern niederzulassen.

Während des zweiten Weltkrieges wiederholte Stalin die Deportationen und ließt die übrigen meßchetischen Türken, wie sie normalerweise genannt werden, in das Fergana Tal in Zentralasien bringen. Sie standen im Verdacht, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten. Zu Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts waren die Opfer von Angriffen von anderen Bewohnern des Tals, bei diesen Auseinandersetzungen hatte der russische Geheimdienst seine Hände mit im Spiel. Viele der Meßcheten flohen nach Aserbaidschan und in den Nordkaukasus. Dieses Gebiet wird nunmehr von den Armeniern beansprucht, so daß hier ein neuer ethnischer Konflikt seinen Anfang nehmen könnte. Die Rückführung der deportierten Meßcheten ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Thema, das die georgische Politik bewegt und nicht gelöst ist.

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Irma Berscheid-Kimeridze

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