Georgien - eines der Ă€ltesten LĂ€nder fĂŒr Weizenanbau

Teigware war in der georgischen KĂŒche immer großer Bedeutung. Georgien ist eines der Ă€ltesten LĂ€nder fĂŒr Weizenanbau. Das Brot ist das Hauptnahrungsmittel in Georgien. Es ist im Laufe der Jahrhunderte sogar ein Kult geworden. In der christlichen Tradition symbolisieren Brot und Wein das Blut und Fleisch von Jesus Christus wĂ€hrend der Eucharistie.

Historische Quellen beschreiben die Herstellung verschiedener Produkte aus Brei und Getreide in Georgien. Im Land waren traditionelle folgende Brotsorten verbreitet: Lawaschi, Meßchuri Schoti, Kolchuri, Lasuri, „Dedas Puri“, Kweri u.a. Wissenschaftliche Forschungen und archĂ€ologische Fakten belegen, dass es georgische endemische Weizensorten gab. Die Weizensorte â€œDika” wuchs z. B. sowohl in den Bergen, Swaneti, als auch im Tiefland Kacheti. So wurde sie auch in beiden Teilen angebaut. 

Die Georgier betrachteten Brot als Symbol fĂŒr die StĂ€rke der Familie und des Landes und sowie des Lebens.

Booking.com

Zur Geschichte des georgischen Brotes

Der georgische Tone war eine flache, aus Ziegeln gebaute oder keramikförmige OberflÀche in abgeschnittener Krugform, die gebaut oder auf den Boden gelegt wurde. Um diese zu isolieren und warm zu halten, hat man sie mit einem Stock und Ton erhitzt. Als Energiequelle wurde hauptsÀchlich Brennholz verwendet.

Der Brotteig wurde am Tag vor dem Backen geknetet. Das Wasser und Salz wurden mit dem Mehl vermischt, der speziell zubereitete Sauerteig hat man als Hefe oder Mazoni (milder Joghurt) zum SĂ€uern verwendet. Der Teig war mit einem Tuch bedeckt, damit er aufgehen konnte. Am nĂ€chsten Morgen wurde der Ton mit Brennholz erhitzt. Nachdem sich die Asche gebildet hatte, wurde ein salziges StĂŒck oder ein salzgetrĂ€nkter Pinsel auf die erhitzten Ziegel im Inneren des Tons aufgetragen. Dann wurde der Teig in die gewĂŒnschte Form geteilt und gebacken.

Georgische Brotsorten

FĂŒr die Hochzeit und die Reise hat man Schotis oder Dedas Puri (wörtlich Mutterbrot) gebacken. FĂŒr die Trauertafel hat man Lawaschi in dĂŒnnen Scheiben gebacken. FĂŒr Soldaten, die in den Krieg ziehen mussten, hat man ihnen Schotis Puri mitgegeben. Im Allgemeinen wurde Brot einmal in der Woche gebacken. Es behielt den Geschmack und die weiche Konsistenz bei. Gebackenes Brot wurde in einer Scheune fĂŒr Getreide in Kisten gelagert.

In der Besonderheit der georgischen Brotherstellung zeigt sich der Wert des kulturellen Erbes. Bei der Erfahrung der nationalen Brotproduktion zeigen sich ökologische sowie religiös-soziale Aspekte. In dieser Hinsicht ist die georgische Brotherstellung vielfÀltig, da es nach swanischen, kachetischen sowie kolchischen und lasischen Traditionen gebacken wurde. Die Bevölkerung im Tiefland in Ostgeorgien verwendete Weizenbrot, in Westgeorgien Hirse und Mais, in östlichen Gebirgen eher eine Mischung aus Gerste und Roggen.

Der französische Reisende Jean Chardin, der in 1672-1673 durch Georgien gereist ist, beschreibt das georgische Abendessen mit König Wachtang V. von Kartli im 17. Jahrhundert, in dem er ĂŒber Brot wie folgt schreibt: 

"Man brachte drei verschiedene Brotsorten: das eine war sehr dĂŒnn (vermutlich Lawaschi, was heute armenisches Lawaschi genannt wird), das zweite Brot hatte die Dicke eines Fingers und das dritte waren kleine, gezuckerte Brote". 

Vom 19. Jahrhundert bis heute

Ab dem 19. Jahrhundert hat man auch Kekse gebacken: eine neue Art von Kuchen mit Rosinen. Deutsche Kolonisten, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Georgien angesiedelt haben und einige auch nach Tbilissi kamen, brachten Walnussrollen, Zimthonigkuchen, Liköre aus georgischen FrĂŒchten und Tinkturen mit.

Mit der VergrĂ¶ĂŸerung der Hauptstadt wurden in fast allen Bezirken von Tbilissi georgische BrotbĂ€ckereien gebaut, in denen hauptsĂ€chlich BĂ€cker aus der Bergregion Ratscha arbeiteten. Die Schließung dieser handwerklichen BĂ€ckereien begann 1960. Zur gleichen Zeit schuf der georgische Ingenieur und Konstrukteur Rajden Gamsachurdia einen Backofen fĂŒr das georgische Brot. Dieser war mit Ziegel gebaut und bewegte sich vertikal mit einem Antrieb, an dem Lawaschi-Brot hing. Öfen jeglicher Form funktionierten sowohl mit Erdgasbrenner als auch mit ElektrizitĂ€t, aber sie waren weniger energieeffizient, und deshalb wird ihre Arbeit heute als unrentabel angesehen.