Borjomi in der Hochsaison im Sommer mit der Familie

Die Kurstadt Borjomi habe ich seit 2001 bereits 6-mal besucht. Kurz nach dem Jahrtausendwechsel zeigten sich hier deutliche Spuren des Verfalls. Mittlerweile hat sich die Stadt ordentlich herausgeputzt. Im Hochsommer war ich noch nie in der Stadt.

Der Unterschied zur Nebensaison: Der Park läuft über vor Menschen! Viele Familien sind offensichtlich vor der Hitze in Tbilissi geflohen und genießen nun das Sommerwetter lieber etwas weiter oben in den Bergen. Auch Bakuriani soll vor Menschen überlaufen.

Aber nähern wir uns zuerst dem Park. Die Sonne steht bereits recht weit unten, als wir uns den Fluss entlang auf den Weg machen. Hier flanieren Familien entlang, mit dem Auto ist kein Parkplatz mehr zu finden. Auf einer Seite der Straße gibt es Souvenirs, Wasser, Wein, Gemüse und Süßigkeiten zu kaufen. An einer Schießbude kann man seine Treffsicherheit überprüfen.

Auf der anderen Seite des Flusses ließ sich Präsident Saakaschwili eine luxuriöse Immobilie errichten. Diese nahm man ihm nach dem Machtwechsel im Oktober 2012 weg. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs im August 2015 weht die Fahne einer internationalen Hotelkette über dem Bau, Handwerker legen letzte Hand an den Bau. Die Architektur ist, wie bei vielen Projekten der Ära Saakaschwili, etwas gewöhnungsbedürftig, um es zurückhaltend auszudrücken. Das Gebäude weist von Zitaten aus Griechenland, den Südstaaten der USA, europäischen Städten aus dem Mittelalter bis hin zu den Säulenhallen eines Albert Speer mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Baustile auf. Über der Fassade trohnen vier Erker, die als Zitat der Renaissance erscheinen. Das Hotel verfügt über zwei Brücken als Zugang über den Fluss, die zum Zeitpunkt unseres Besuchs geschlossen sind. Eine davon sieht wie ein versteinerter Looping aus. In der Nacht ist der Looping mehrfarbig illuminiert.

An der Straße dem zukünftigen Hotel gegenüber gab es vor 14 Jahren einige verfallene Gebäude. Die meisten Bauten sind nun wieder hergerichtet. Und hier zeigt sich, dass man dies auch sehr zurückhaltend erledigen kann. Der Baustil aus dem 19. / 20. Jahrhundert ist aufgenommen und auf neu poliert worden.

Der Eintritt in den Park kostet 50 Tetri, umgerechnet 20 Cent. Im Park selber häufen sich die Menschenmassen. Für Kinder gibt es ein reichhaltiges Angebot: Mehrere Fahrgeschäfte bieten ihre Dienste an. Je weiter man durchläuft, desto größer werden diese. Am Ende locken eine kleine Achterbahn und eine Schiffsschaukel. Das Schwimmbad aus der Zeit des Saakaschwili zeigt mit einem defekten Dach schon erste Baumängel.

Bei unserem letzten Besuch 2013 stand die Seilbahn über den Park kurz vor der Wiedereröffnung. Nun können wir damit zum Riesenrad über den Park schweben. Der Weg nach oben ist kein Problem. Die Bahn überwindet einen Höhenunterschied von recht genau 100 Meter. Und von der Bergstation geht es genau diese Höhe direkt nach dem Ausfahren aus der Station senkrecht nach unten. Wer zuvor oben gegessen hat...

Als wir den Park verlassen, ist die Nacht über die Stadt hereingebrochen. Wie bei jeder ordentlichen Kirmes entfachen die Fahrgeschäfte erst jetzt mit den bunten Lichtern ihre volle Pracht. Das hat schon etwas.

Das Preisniveau im Park im Borjomi entspricht dem einer deutschen Kirmes, und wenn man die geringeren Einkommen in Georgien einrechnet, dann kann man an einem Abend mit seiner Familie ohne Probleme ein komplettes Monatseinkommen verjücken. Das sollte man sich überlegen. Aber es ist sehr schön zu sehen, dass dieser Park der Öffentlichkeit gehört und das der Verfall der früheren Jahre ein Ende gefunden hat.

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