Persati - Lichter in der Dunkelheit

Knapp eine Woche in Tiflis liegt hinter uns, als wir zur Tour ins Wochenende aufbrechen. Das Wetter ist bedeckt, als wir gegen Abend auf der S-1 aus Tiflis hinausfahren, durch Chaschuri und vorbei an Gori, immer Richtung Westen. In Chaschuri fahren bei wir bei Verwandten vorbei. Der Strom ist gerade ausgefallen, der Plattenbau sieht wie viele in dieser Stadt verfallen aus. Es wundert mich immer wieder, daß Häuser, die 10 oder mehr Jahre jünger sind als unser Sozialbau in Köln, erheblich mitleidenswerter aussehen. Vielleicht auch nicht gerade ein Ruhmeszeichen sowjetischen Bauhandwerks. Schließlich habe ich vor knapp 10 Jahren in Halle an der Saale bereits gesehen, wie man Plattenbauten fast ohne den Einsatz von Zement hochziehen kann.

Informationen zu Persati

Dorf im Bezirk Bagdati, gelegen am linken Ufer der Chanis Zkali. 260 m ü. NN. 4 km entfernt von Bagdati. 2 Betriebe zur Weinproduktion.

Rikoti-Pass mit Tempolimit

Aber wieder zurück in den Kaukasus. Die Straße trägt uns nach Westen. Der Rikoti-Tunnel ist leider gesperrt, so dass wir den Weg über den Pass antreten. Die nächsten Kilometer haben wir bei untergehender Sonne ein lustiges Kurbeln in 2. und 3. Gang unseres Sierra, der mich bis Februar durch Deutschland getragen hatte und nun georgische Straßen unter seine Reifen nehmen darf. Den Job des Fahrers habe ich allerdings abgegeben. Bei entgegenkommenden Bussen wird es in den Kehren schon manchmal eng. Am Ende des Passes setzt sich ein Polizeiwagen vor uns, und auch Georgier fahren streng nach Vorschrift und halten das Tempolimit ein, wenn sie einen Wagen mit Blaulichtaufsatz vor sich sehen. Am Gebirge stauen sich von Westen her die Wolken des Tiefdruckgebietes, die über uns hinweg ziehen. Es regnet teilweise heftig, was die Fahrt durch die Dunkelheit nicht angenehmer macht.

Fahrten in der Nacht können böse enden

Nachtfahrten sollte man als Tourist wie in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks meiden. Nicht wegen der Gefahr, überfallen zu werden. Das kann man auch in Köln-Vingst erleben. Auch Hauptstraßen haben oft keine Straßenmarkierungen, nur selten stehen am Straßenrand Begrenzungspfähle mit Katzenaugen. Oft kann man trotz Fernlicht den Straßenverlauf nur grob erahnen. Gute Straßenabschnitte weisen dann oft so überraschend Schlaglöcher auf, dass man um die Stoßdämpfer fürchten muss. An diesem Abend zähle ich zwei Opel mit abgebrochenem Vorderrad und Dutzende von Fahrzeugen, die liegengeblieben sind. Auf der Hinfahrt sehen wir zudem einen Lkw, der frontal mit einem anderen Sierra kollidiert war. Manche Überholmanöver schlagen fehl. Auch auf offener Strecke kann man nicht immer mit ausreichend beleuchteten Fahrzeugen rechnen. Auf der Rückfahrt zeigt uns eine Vollbremsung des vor uns fahrenden Wagens, daß vor diesem ein LKW-Anhänger ohne Licht fährt. Auch Rückstrahler fehlen. Manch kleines Licht, das einem auf der Landstraße entgegenkommt, erweist sich als ausgewachsener Reisebus. In geschlossenen Ortschaften muss man damit rechnen, dass andere Fahrer Strom sparen wollen und das Licht nicht einschalten.

Schwein und Wein machen Stimmung

Soviel zu den Gründen, warum es gesünder ist, bei Tage zu fahren. Vor Kutaissi biegen wir nach Persati ab. Die Strecke ist teilweise gut asphaltiert; als wir die Hauptstrecke verlassen, wird es jedoch arg holprig. Schließlich erreichen wir das Bauernhaus unserer Verwandten. Um Mitternacht ist die georgische Tafel gerichtet. An diesem Tag mußte ein junges Ferkel sein Leben aushauchen, wir werden es an diesem Wochenende von hinten nach vorne verspeisen. Nach der leicht stressigen Fahrt tut der Wein gut, und es ist immer wieder erstaunlich, welch unterschiedliches Aroma die verschiedenen Regionen Georgiens in ihren Weinen widerspiegeln. Dass mein westeuropäischer Magen allerdings in den kommenden Tagen ganz andere Erfahrungen machen wird, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Übersicht aller Reiseberichte 2002

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