Blau in Kinzwissi: Kirche Samtawissi mit Fresken georgischer Kunstgeschichte

Auf der Strecke nach Gori hatten wir die Kirche Samtawissi besucht. Dort ist ein berühmter Ringer beerdigt. Nach der Ausfahrt aus Gori setzen wir unseren Weg Richtung Kutaissi fort und folgen den Schildern zum Kloster Kinzwissi. Die Straße windet sich in Serpentinen den Berg hoch. Zwar ist die Straße asphaltiert, an einigen Stellen haben die Reisebusse der Besucher den Asphalt im heißen Sommer aber so eingedrückt, daß tiefe Querrillen entstanden sind.

Kinzwissi

730 m ü. NN. Im 13. Jh. gegründet. An Wänden Fresken von Georgi III. und Georgi Lascha, Vater und Sohn von Königin Tamar. Dominierende Hintergrundfarbe ist Blau, Heiligenscheine sind in Gold ausgeführt.

Wir müssen recht vorsichtig mit unserer Familienkiste fahren. Kurz vor dem Kloster endet der Weg für Autos, die letzten Höhenmeter legt man zu Fuß zurück. Leider ist auch diese Kirche verschlossen, wir entscheiden uns für die weiter oben gelegene Quelle.

Man überquert den Platz vor der Kirche und gelangt über einen schmalen Fußweg das Tal entlang weiter nach oben. Hier gibt es Tisch und Sitzbänke, leider lassen viele Besucher ihren Müll offensichtlich an Ort und Stelle zurück, das Bachbett sieht teilweise aus wie eine wilde Müllhalde. Zudem sollte man auf dem Weg langsam gehen, denn die Oberfläche ist teilweise doch recht glitschig.

Bei einem Vortrag in Köln einige Wochen zuvor hatten wir die Gelegenheit, Details der Fresken erläutert zu bekommen. Die bildliche Darstellung personifizierter Gesichter anstatt maskenhafter Gestalten war bei ihrer Entstehung ihrer Zeit weit voraus. Als Grundton dominiert im Innenraum Blau. Ein Fresko zeigt die Königin Tamar. Leider sind einige der Kunstschätze für die Nachwelt verloren - Teile des Putzes haben sich von der Wand gelöst, damit sind die Fresken verloren. Vielfach sind aber auch die Farben verblaßt, Königin Tamar ist nur noch schemenhaft zu erkennen, links von ihr sieht man die Grundzeichnung des Fresko durchschimmern.

Priester schützt vor Korruption

Als wir die Kirche verlassen, fragt uns der Priester, ob wir einen anderen Priester mitnehmen können. Wir gabeln ihn auf dem Weg die Serpentinen herunter auf, ich räume für ihn den Beifahrersitz, wie es sich für einen orthodox getauften Webmaster gehört. Wir nehmen ihn mit nach Tiflis.

Kurz hinter der Stadtgrenze werden wir an einer Polizeikontrolle angehalten - übrigens das einzige Mal auf mehr als 1.000 km auf georgischen Straßen in diesem Urlaub. Der Priester bittet den Polizisten, diesen Wagen nicht zu kontrollieren, der Vorgesetzte winkt uns durch. Wie unser Fahrgast meint, haben Polizisten noch am meisten Respekt vor der Kirche. Es erweist sich also von Vorteil, einen Geistlichen an Bord zu haben.

Weiter: Auf Ninos Spuren