Kloster und Akademie Ikalto: Kulturerbe in Georgien

Die Geschichte des Klosters Ikalto (andere Schreibweise: Iqalto) reicht bis ins 6.Jahrhundert zurück. Gegründet wurde das Ikalto-Kloster von einem der 13 syrischen Prediger, Senon Ikaltoebi (andere Schreibweise: Zenon Iqaltoebi), dessen Namen das Kloster zuerst erhielt. Der Grundstein zur Kirche wurde auf dem Gelände des Klosters im 8. Jahrhundert gelegt. Im 10. und 11. Jahrhundertt entstand auf den Grundmauern der ersten Kirche der heutige Kreuzkuppelbau. Dort befinden sich zwei weitere Kirchenbauten. Mit der Gründung der Akademie Ikalto im 11. Jahrhundert wurde das Kloster zu einem bedeutenden Zentrum der Bildung in Georgien. Den Weinbau als wirtschaftliches Standbein des Klosters Iqalto zeigen die Kwewris an den Wegen im Kloster und im Boden eingelassen.

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Dawid der Erbauer gründet Akademie Ikalto

Der georgische König Dawit der Erbauer ließ das Kloster Ikalto im 12. Jahrhundert in eine Akademie umwandeln, zeitlich parallel zur Einrichtung der Akademie Gelati bei Kutaissi in Westgeorgien. Beide Akademien trugen zur kulturellen und wissenschaftlichen Blüte Georgiens bei. Zum ersten Rektor der neu gegründeten Akademie Ikalto wurde der angesehenste Wissenschaftler seiner Zeit benannt, Arsen Ikaltoeli. Hier wurden Mathematik, Astronomie, Theologie, Philosophie und georgische Literatur gelehrt. Damit dienten diese Klöster in Georgien vergleichbaren Zwecken wie die Klöster in Deutschland, denn diese hatten neben landwirtschaftlichen Aufgaben, der Missionierung und der Urbarmachung des umliegenden Landes die Aufgaben, Wissen zu bewahren und weiterzugeben. Auf dem Lehrplan der Akademie standen Theologie, Philosophie, Astronomie, Rhetorik, Jura und Mathematik. 

Neben der Lehrtätigkeit gehörten auch literarische Arbeiten zu den Tätigkeiten der Akademie Ikalto. Hier übersetzte man wichtige Werke aus dem griechischen Original in die georgische Sprache. Da der Buchdruck noch nicht erfunden war, ging man wie in den Klöstern Mitteleuropas auch der Tätigkeit des Kopierens literarischer Werke nach. 

In der Akademie von Ikalto studierte der berühmte Dichter Schota Rustaweli. Man weiß sehr wenig über sein Leben. Aber man könnte sich leicht vorstellen, dass das Leben in Ikalto ihn dazu bewogen hätte, seine letzten Lebensjahre im Kloster von Jerusalem zu verbringen.

Geschichte von Kloster und Akademie Ikalto

Die Akademie in Ikalto nahm im 11. Jahrhundert ihre Arbeit auf. Die Blüte des Kloster Ikalto währte bis ins Jahr 1616. Beim Einfall der Perser wurde die Akademie zerstört, die Ruinen kann man auch mehr als 4 Jahrhunderte später im hinteren Teil der Anlage noch besichtigen. Im benachbarten Telawi gründete man im Jahr 1752 eine Hochschule, die zuerst eine theologische Ausrichtung hatte und ihre Fächer seit dem 19. Jahrhundert erweitert hat. 

Im Jahr 1918 wurde Georgien für drei Jahre ein eigener Staat, die Unabhängigkeit endete 1921 mit dem Einmarsch russischer Besatzungstruppen. Als eine von vielen Maßnahmen der russischen Besatzer wurde die Akademie Ikalto endgültig geschlossen und der Gottesdienst im Kloster verboten. Die religiösen und weltlichen Eigentümer der Kirche gingen verloren, auch die Kirchenglocke verschwand. 

1938 begann man auf dem Gelände des Klosters Ikalto mit archäologischen Grabungen. Dabei wurde u. a. eine Kelterei freigelegt, die unten weiter beschrieben ist. Insgesamt fand man 59 Reste von Gebäuden, unter diesen auch mehrere handwerklich genutzte Räume. 

Mit dem Ende der Sowjetunion setzte wie in anderen religiösen Stätten in Georgien auch im Kloster Ikalto der Betrieb wieder ein. Der Gottesdienst in der Kirche in Ikalto wurde 1991 wieder zugelassen. Von 2004 bis 2009 setzte man das Kloster wieder instand.

Landwirtschaft und Handwerk im Kloster Ikalto

Dass das Kloster Ikalto vergleichbar mit den Klöstern in Deutschland auch eine eigene Landwirtschaft betrieben hat, kann man in den Ruinen hinter dem Kirchenbau begutachten. Es gibt hier die Überreste einer Kelterei, in einem Raum ohne Dach sind mehrere Kwewris in den Boden eingelassen. Dass es hier offenbar eine Menge Weinproduktion in früheren Jahren gegeben hat, zeigen jede Menge ältere Kwewris, die am Rande des Wegs zum Eingang der Kirche und im hinteren Teil der Anlage gelagert sind. Neben dem Weinbau gab es auch eine Schmiede im Kloster Ikalto, zudem lehrte man dort Töpferei. 

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