Leseprobe aus der Kriminalgeschichte Es sollte ein schöner Ausflug werden
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen einen Auszug aus der Kriminalgeschichte “Es sollte ein schöner Ausflug werden” von Thomas Berscheid vor. Sie können einen Teil der Handlung lesen, als MP3-Datei hören oder als Video verfolgen.
Video: Die Kaffeemaschine und die Herrschaft
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Die Kaffeemaschine und die Herrschaft
Steinbach ging aus der Kaffeeküche der Abteilung, ohne Schröder zu grüßen. Nicht nur das. Steinbach tat so, als gäbe es Schröder gar nicht. Als sei Schröder überhaupt nicht da. Schröder jedoch trat einen Schritt zurück. Er ließ seinen Abteilungsleiter Steinbach aus der Küche gehen und wartete mit gesenktem Blick vor der Türe, um selber in die Kaffeeküche zu gelangen.
Schröder trat vor die Kaffeemaschine. Natürlich war die Kanne leer. Steinbach hatte die letzte Tasse Kaffee genommen. In der Theorie gab es in der Abteilung die Regelung, dass der Mitarbeiter, der die letzte Tasse Kaffee nimmt, eine neue Kanne aufsetzt. Doch so grau wie jede Theorie war auch diese. Niemand hielt sich an die Regelung.
Schröder wollte sich umdrehen, um ohne Kaffee aus der Küche zu gehen. Er kam nicht bis zur Tür.
„Schröderchen, haben wir wieder die letzte Tasse genommen?“ fragte Frau Lauenstein.
„Ich habe...“ begann Schröder sich zu rechtfertigen.
„Sie kennen doch die Regel“, herrschte die Assistentin des Abteilungsleiters Schröder von oben herab an. Sie legte den Kopf ein Stück in den Nacken und sah Schröder unter ihren künstlichen Wimpern an. Sie war keine kleine Frau, und die Oberschenkel unter ihrem kurzen Rock mochten in der Jugend einmal schlank gewesen sein. Nun, nach der gefühlt zwanzigsten Diät, sammelten sich Fettpolster an den Körperstellen, die sie immer durch ihre betont knappe Kleidung optisch hervorhob. Und ihre hohen Absätze ließen sie nicht nur größer erscheinen; wenn sie aufrecht stand, blickte sie Schröder auch von oben auf den Haaransatz.
„Wollten Sie wieder die leere Kanne abstellen und gehen, ohne sich um die anderen zu kümmern?“ herrschte die Assistentin Schröder an. „Na, Sie sind mir aber ein schöner Kollege!“
Lauenstein stellte ihre Tasse auf der Spüle ab.
„In fünf Minuten brodelt hier aber ein frischer Kaffee!“ bellte Lauenstein Schröder einen Befehl entgegen. Dann wandte sie sich ohne einen weiteren Blick von Schröder ab und stöckelte aus der Tür, mit dem lauten Klacken ihrer harten Absätze.
Schröder seufzte. Er warf ein Fluchwort in den Raum, das keiner außer ihm hören konnte. Dann nahm er die Kanne aus der Maschine, ging mit gesenktem Haupt an die Spüle und ließ kaltes Wasser in die Kanne laufen. Mit hängenden Schultern goss er das Wasser in die Maschine.